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Gespräch mit Curaneo zum Thema psychische Probleme und Substanzmissbrauch am Arbeitsplatz

Wer ist Curano und was ist das Besondere am Angebot von Curaneo?
Wir sind speziell auf Patienten ausgerichtet, die noch arbeitstätig und sozial integriert sind. Für viele Personen deren Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamente zu Problemen geführt hat, ist eine ambulante Behandlung zu wenig effektiv und ein stationärer Aufenthalt in einer Spezialklinik aber zu einschneidend und zu lang. In diese Versorgungslücke tritt Curaneo und bietet eine intensive Behandlung, ohne dabei die Patienten aus ihrem Umfeld zu reissen. Sie bleiben während der Behandlung zu Hause wohnen und ihre Tagesstruktur bleibt erhalten.

Curaneo ist eine Alternative zu einem stationären Aufenthalt. Nach 4 Wochen Behandlung ist der Arbeitnehmer wieder am Arbeitsplatz, bleibt aber für weitere 5 Monate bei uns in ambulanter Behandlung. Man könnte sagen: Wir bieten eine Langzeitbehandlung von kurzer Dauer. Unser Angebot und die zielgruppengerechte Versorgung stösst auf grossen Anklang und wir konnten mit SWICA einen Kooperationsvertrag abschliessen.

Welche Probleme entstehen durch den Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten?
Alle psychoaktiven Substanzen wie Alkohol, Drogen und Psychopharmaka wirken direkt im Hirn und nehmen Einfluss auf unsere Empfindungen. Je nach Substanz werden diese Empfindungen verstärkt oder abgeschwächt. Freude kann intensiver erlebt werden, Stress wird ertragbarer oder nicht mehr so stark verspürt, Schmerzen (auch emotionale) werden gelindert und Ängste oder Unruhe werden abgebaut. Nach einer gewissen Zeit regelmässigen Konsums tritt Gewöhnung ein und damit entstehen neue Probleme.

Depressionen, Angststörungen, Borderline Persönlichkeitsstörungen und andere psychischen Belastungen können ein Resultat des Substanzmissbrauchs sein oder aber diese Probleme waren schon vorher vorhanden und haben zum Konsum geführt. In jedem Fall ist jedoch eine Behandlung der psychischen Probleme notwendig, um eine nachhaltige Veränderung des Konsumverhaltens zu erwirken. Deshalb behandeln wir bei Curaneo die psychischen Probleme unserer Patienten und helfen ihnen mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Weshalb soll der Arbeitgeber miteinbezogen werden? Und warum lohnt es sich für ein Unternehmen, seine Mitarbeitenden beim Umgang mit Alkohol- und Drogenmissbrauch zu unterstützen?
Wir verbringen einen massgeblichen Teil unseres Lebens am Arbeitsplatz und auch dort befinden wir uns in einem sozialen System mit anderen Menschen. Das Verhältnis zu diesen Menschen wird durch Alkohol- oder Drogenkonsum beeinträchtigt, die betroffenen Mitarbeiter und die Arbeit leiden darunter. Wenn der Arbeitgeber und auch das Team in welchem der Patient arbeitet in die Therapie einbezogen werden, hat das ganze System die Chance wieder gesund zu funktionieren.

Für Unternehmen lohnt es sich nicht nur seine Mitarbeitenden beim Umgang mit Alkohol- und Drogenmissbrauch zu unterstützen, es ist gewissermassen sogar eine Pflicht der Arbeitgeber. Denn ein Arbeitgeber, der einen Mitarbeitenden arbeiten lässt, obwohl er weiss, dass dieser berauscht ist, verstösst gegen Artikel 82 des UVG der die Arbeitgeber verpflichtet alle notwendigen Massnahmen zur Verhütung von Berufsunfällen zu treffen. Das heisst, Arbeitgeber müssen handeln wenn sie von einem Suchtproblem eines Mitarbeiters Kenntnis haben. Die Frage ist nun wie handelt man: Soll man den Arbeitnehmer entlassen und ersetzen oder soll man ihn bei einer Therapie unterstützen? Von den Kosten aus gesehen ist dies eine einfache Rechnung. Die Kosten einer Therapie sind ein Bruchteil derer die entstehen wenn man einen Mitarbeiter ersetzen muss. Die Zahlen zum Return on Investment variieren, man kann aber davon ausgehen dass pro 1 Franken der für eine Behandlung investiert wird, mit Einsparungen von 7 bis 12 Franken gerechnet werden kann.

Wie erkenne ich als Arbeitgeber, dass ein Mitarbeiter an Substanzmissbrauch leidet und wie spreche ich dieses heikle Thema an?
Neben den offensichtlichen Anzeichen wie einer Alkoholfahne gibt es zahlreiche Indizien, die auf ein Problem hinweisen könnten. Dazu gehören häufige kurzfristige Absenzen, oft mit Entschuldigungen Dritter, zunehmende Gereiztheit und Unzuverlässigkeit, zunehmende Isolation und Vieles mehr. Nicht alle dieser Auffälligkeiten müssen direkt im Zusammenhang mit Alkohol- oder Drogenkonsum stehen, sollten aber Anlass sein, genauer hinzuschauen. Das Thema anzusprechen ist für die meisten Arbeitgeber schwierig, weil es schnell als Eingriff in die Privatsphäre gewertet wird. Oft hofft man, das Problem verschwinde von selbst. Tut es dies aber nicht, dann muss der Arbeitgeber Initiative ergreifen. Curaneo bietet Arbeitgebern konkrete Hilfe, wie dieses Problem im Betrieb angesprochen werden kann.

Ist Substanzmissbrauch am Arbeitsplatz in der Schweiz ein Problem?
Man geht davon aus, dass 3-5% der arbeitstätigen Bevölkerung alkoholabhängig sind und 10-15% ein risikoreiches Konsumverhalten haben. Die alkoholbedingten Kosten in der Schweiz betragen insgesamt fast 5 Milliarden im Jahr. Darin eingeschlossen sind unter anderem über 400 Millionen für stationäre Aufenthalte und über 3.5 Milliarden indirekter Kosten wie Produktivitätsverluste. Diese Zahlen sind über die letzten Jahre relativ stabil. Bei den Nutzenverlusten handelt es sich um kaum bezifferbare intangible Kosten, die durch physische und psychische Beeinträchtigungen beim Betroffenen und dessen Privat- und Arbeitsumfeld entstehen, wie Leid, Schmerz, vermindertes Selbstwertgefühl, dem Verlust an Lebensfreude und dem resultierenden Verlust an Lebensqualität.
(03.03.2017)

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