Compasso

Amag

Vorgesetzter Fritz Zwahlen

Der damalige Filialleiter – Herr Sampogna – hat einen Anlass der IV-Stelle Solothurn besucht. Kurz darauf ist Frau Reuter von der IV mit dem Dossier von Herr R. auf ihn zugekommen. Herr Sampogna hat Herrn R. nach einem kurzen Schnuppereinsatz ermöglicht, einen Monat bei uns zu arbeiten. Dieser Monat hat Herr R. sehr gefallen. Damals hatten wir aber keine Möglichkeit ihn anzustellen. Ein paar Monate später haben wir uns von einem Mitarbeiter in der Autoaufbereitung getrennt. Ich habe den Filialleiter daran erinnert, dass Herr R. allenfalls in Frage käme. Wir haben mit unserem HR abgeklärt, ob es eine Möglichkeit wäre und mit der IV wieder Kontakt aufgenommen und so das Ganze ins Rollen gebracht.

Arbeitnehmer Herr R.

Nach 10 Jahren bei der VEBO habe ich gemerkt, dass ich etwas anderes machen möchte. Die VEBO ist eine Genossenschaft mit geschützten Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Aufgrund meiner Schwierigkeiten mit dem Lernen und Verstehen habe ich dort eine Lehre als Schreiner gemacht und seither in der Schreinerei gearbeitet. Im jährlichen Gespräch mit meiner IV-Beraterin habe ich gesagt, dass ich gerne etwas mit Autos machen möchte – egal was. Meine Beraterin hat mich dabei unterstützt und dafür geschaut, dass ich einen Platz zum Arbeiten finde. Im Sommer 2011 konnte ich zuerst drei Tage bei der Amag schnuppern. Es hat mir so gut gefallen, dass ich gerne geblieben wäre. Im September 2011 habe ich den Anruf bekommen, dass ich vorerst für einen Monat einen Arbeitsversuch machen kann.

Arbeitnehmer Herr R.

Zuerst habe ich vor allem Autos geputzt. Später konnte ich mit den Autos auch in die Waschanlage. Mir hat es sehr gut gefallen und ich habe gedacht: „Das ist es.“ Während dieser Zeit war ich immer in Kontakt mit der IV. Es war komisch nach diesem Monat wieder zurück zur VEBO zu gehen. Ich wusste nicht, wie es nun weitergeht. Als die Amag gemeldet hat, dass sie dringend jemanden brauchen, musste ich mich entscheiden, ob ich bei der VEBO kündigen und es versuchen soll. Es war ein schwieriger Entscheid nach 10 Jahren – aber zum Glück ist alles gut gegangen. Zuerst habe ich einen Arbeitsversuch von Dezember 2011 bis Februar 2012 gemacht. In diesen drei Monaten habe ich sehr viel gelernt. Danach hat die Amag entschieden, dass ich bleiben kann. Falls es nicht geklappt hätte, hätte mir die IV geholfen, etwas anderes zu finden.

Arbeitnehmer Herr R.

Als ich einmal beim Umparkieren ein Auto beschädigt habe, bin ich einen Moment lang nervös geworden. Dann bin ich zu Herrn Zwahlen gegangen. So etwas ist auch schon anderen Personen im Betrieb passiert. Beim Auto musste der Kratzer in der Carosserie neu lackiert werden. Bezahlen musste ich das aber nicht. Die Zusammenarbeit im Team ist gut. Klar gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten – aber das ist normal. Dass ich vorher an einem geschützten Arbeitsplatz gearbeitet habe, ist kein Thema. Dieser Arbeitsplatz bedeutet mir sehr viel. Auch meinem Selbstvertrauen hat es geholfen. Ich bin nicht mehr so schüchtern. Mit der IV habe ich momentan keinen Kontakt mehr. Ich habe zwar noch eine IV-Rente, aber die ist viel kleiner als früher.

Vorgesetzter Fritz Zwahlen mit Arbeitnehmer Herr R.

Was man ganz klar loben muss: Er ist immer da. Und wenn er mal nicht da ist, dann wissen wir wieso. Er ist immer pünktlich – ist aber auch immer sehr pünktlich gegangen. Das mussten wir mal thematisieren. Wenn etwas fertig gemacht werden muss, dann muss das einfach sein. Das war vielleicht bei der VEBO vorher anders und er musste sich den neuen Rhythmus angewöhnen. Am Anfang war eine gewisse Distanz da. Aber an unserem Betriebsausflug ist er dann aufgetaut. Das hat mich sehr gefreut. Ich denke, sobald die Leute ganz dabei sind, arbeiten sie auch gut.

Vorgesetzter Fritz Zwahlen mit Arbeitnehmer Herr R.

Die Angst, dass er die Arbeit nicht gut macht, war bei uns schon da. Ich habe deshalb regelmässig mit seiner Arbeitskollegin das Gespräch gesucht. Es hat schon Sachen gegeben, die wir ändern mussten oder die wir ihm nochmals zeigen mussten. Das hat zu einem etwas grösseren Aufwand geführt, aber das war uns immer bewusst. Ich habe das Gefühl, dass er sich gut entwickelt hat. Ein Mehrwert ist er auf alle Fälle.

Vorgesetzter Fritz Zwahlen

Die Zusage für den Monat „Schnuppern“ war ein Bauchentscheid vom damaligen Filialleiter. Er hat gesagt: „Diese Chance geben wir dieser Person.“ Es hat uns nichts gekostet, sondern war eine Win-Win-Situation: Wir hatten eine Arbeitskraft mehr, die bei uns die Spitze brechen kann und Herr R. konnte für einen Monat etwas anderes machen und hatte Freude daran. Dieser Monat war ausschlaggebend für seine Anstellung. Wir haben ihn bereits gekannt und haben an ihn gedacht, als die Stelle frei wurde. Als er dann zurückkam, hat er schon fast dazugehört. Dieser Schritt war nicht mehr so gross. Da er schon gewusst hat, wie es läuft, konnte er fast von 0 auf 100 loslegen. Mit der Möglichkeit des Arbeitsversuchs konnten wir schauen, ob es klappt. // Mai 2013
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