Compasso

Baumann + Eggimann

Wie ist es zur erstmaligen beruflichen Eingliederung gekommen? Sicht Arbeitgeber Baumann + Eggimann

Ich erhielt eine Anfrage von der GEWA, ob wir nicht einen gelernten Schreiner, der infolge verschiedener negativer Erlebnisse und psychischer Probleme sein Selbstvertrauen verloren hatte, in unserer Firma integrieren könnten. Die Arbeitsleistung wurde zu diesem Zeitpunkt minimal eingestuft. Diese Tatsache forderte uns heraus, da wir für das Team dringend eine unterstützende Arbeitskraft suchten. Nach eingehender Besprechung mit dem zuständigen Team bejahten wir die Anfrage für eine befristete Probezeit. Die Tatsache, dass Herr F. ein ausgebildeter Schreiner war, schürte bei uns die Hoffnung, dass er mit intensiver Begleitung wieder Freude an seinem erlernten Beruf haben könnte. Schon im Vorstellungsgespräch wurde mir klar, dass diesem jungen Schreiner Wertschätzung und Anerkennung fehlten. Im Gespräch mit dem Teamverantwortlichen und einem zweiten Mitarbeiter habe ich genau dies gesagt. Mit Freude durfte ich feststellen, dass die Mitglieder unseres Rahmenteams Herr F. in die Mitte nahmen und ihn geduldig wieder zur Selbstständigkeit führten.

Wie ist es zur erstmaligen beruflichen Eingliederung gekommen? Arbeitnehmer Herr F.

Ich hatte geringes Selbstvertrauen und machte schlechte Erfahrungen in der Schule und dann auch in der Lehre als Schreiner. Das Gefühl, nicht zu genügen und zu langsam zu sein, brachte mich dann nach der Lehre dazu, mich auf die Suche nach einem anderen Beruf zu machen. Dabei ging es mir über die Jahre psychisch immer schlechter und beim Arbeiten hatte ich immer mehr Mühe, egal in welcher Tätigkeit. Ich meldete mich bei der IV an. So konnte ich eine arbeitsmedizinische Abklärung bei der GEWA in Zollikofen machen. Dabei stellte sich heraus, dass ich von meinen Fähigkeiten her gesehen den richtigen Beruf gelernt hatte. Die IV unterstütze mich bei einem Wiederanfang als Schreiner in einem dreimonatigen Praktikum und bei der Suche nach einer geeigneten Schreinerstelle. Per Zufall stiess ich im Internet auf die freie Stelle als Bankschreiner in der Tür- und Rahmen-Endfertigung bei Baumann + Eggimann AG Ich bekam die Möglichkeit, ein schlussendlich halbjähriges Praktikum zu absolvieren und anschliessend ein sechsmonatiges Aufbautraining zu machen. Das war dann der Beginn meiner Festanstellung.

Integrationsprozess

Herr F. arbeitete anfänglich 80%, hatte aber in den ersten 2 Monaten keinen Druck, irgendeine Arbeit auf Zeit zu erledigen. Die Priorität wurde auf die Integration im Team und das Herantasten der von ihm erwarteten Arbeiten gelegt. Während dieser Phase musste die B+E AG keine Entlöhnung bezahlen, da die IV eine Kostengutsprache für 3 Monate gesprochen hatte, die später noch verlängert werden konnte. Nach 2 Monaten definierten wir gemeinsam mit dem externen Begleiter Reto Lamia, Coach von der GEWA, das Ziel, sachte aber kontinuierlich die erwartete Leistung zu steigern, so dass nach einem halben Jahr eine Leistung von 50% bei voller Arbeitszeit erreichen wurde. Wir entlöhnten Herrn F. gemäss seiner gemachten Leistung, was das IV-Taggeld reduzierte. Offiziell erhielt Herr F. eine Taggeldgutsprache für 6 Monate. Mit der Perspektive, ihn nach Jahresfrist gemäss GAV-Bestimmungen 100% anzustellen, konnte die Unterstützung noch um ein halbes Jahr verlängert werden.

Persönliche Erfahrung von Arbeitgeber Baumann + Eggimann

Eine grosse Herausforderung für mich war es, Herr F. immer wieder zu ermutigen, obwohl er die Anerkennung anfangs fast nicht annehmen konnte. Es bricht mir oft fast das Herz, wenn ich mitansehen muss, wie Menschen durch Mobbing und fehlende Wertschätzung kaputt gemacht werden. Wichtig in diesem Prozess war die externe Unterstützung. Herr F. traf sich wöchentlich mit seinem Coach Reto Lamia, um über seine gemachten Erfahrungen und Schwierigkeiten auszutauschen. Bei Bedarf, jedoch mindestens 1x monatlich, war ich bei diesem Austausch dabei. Ich ermutige alle Unternehmer, mit externer Unterstützung Menschen mit Leistungsbeeinträchtigungen anzustellen. Die zu begleitenden Mitarbeiter sind für das ganze Team eine Bereicherung, weil sie durch ihre Geschichte und Nöte eine Feinfühligkeit und Dankbarkeit entwickeln, was in allen Gruppen geschätzt wird. Der Erfolg wirkt sich nicht immer in Franken aus, aber jeder Arbeitgeber weiss, wie wertvoll treue und dankbare Mitarbeiter sind.

Persönliche Erfahrung von Herr F.

Die grösste Herausforderung war, dass ich Vieles neu lernen musste, weil ich in der Lehre fast nur auf dem Bau war und dort ganz andere Sachen machen musste. Auch die vielen neuen digitalen Maschinen, welche ich vorher nicht kannte, musste ich kennen lernen. Dazu kam noch mein geringes Selbstvertrauen und die Angst, Fehler zu machen und zu langsam zu sein. Dank dem guten Team, welches mich respektierte und achtsam mit mir umging, konnte ich wieder Vertrauen aufbauen und mich auch wieder auf mich und die Arbeit konzentrieren. Dank der IV, welche mich und den Betrieb lange unterstützte und dank meinem Arbeitgeber, der mir viel Zeit gab und keinen Druck machte, konnte ich viele positive Erfahrung machen. Z.B., dass ich Vieles sehr gut kann und dass der Beruf gut zu mir passt. So konnte ich konstant mein Selbstvertrauen wieder auf- und Ängste abbauen.
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