Compasso

Büchler & Partner AG

Arbeitgeber Carlo Büchler

Über das Paraplegikerzentrum in Nottwil hat sich Herr S. bei mir auf eine Lehrstelle beworben, als er dort in der Rehabilitation war. Damals habe ich mir gedacht: „Anstatt Geld ins Ausland zu schicken, können wir auch Menschen hier in der Schweiz unterstützen, denen es nicht so gut geht“. So ein Unfall kann jedem passieren. Deshalb wollte ich ihm eine Chance geben, damit er weiterhin arbeiten kann. Ich habe mir gesagt: „Probieren wir’s!“.

Arbeitgeber Carlo Büchler

Da die Mitarbeiter ihn mitbetreuen müssen, wollte ich jedoch nicht alleine entscheiden. Damals bin ich mit allen Leuten in Führungspositionen zusammengesessen. Wir haben angeschaut, was ein Tetraplegiker ist, welche Unterstützung er braucht. Es steht in keinem Pflichtenheft, dass man einem behinderten Kollegen zu Trinken geben muss. „Wollt ihr das?“ Es hätte auch jemand sagen können: „Nein, das kann ich nicht.“ Von Anfang an haben alle signalisiert, wir sind dafür. Auf jemanden Rücksicht zu nehmen, ist gar nicht so schwierig.

Arbeitgeber Carlo Büchler, Arbeitnehmer Herr S.

Am Anfang sind viele praktische Probleme auf uns zugekommen. Wir haben diese aber als Aufgabenstellung gesehen und eine nach der anderen gelöst. So haben wir etwa warten müssen, bis wir die entsprechende Software bekamen. Die ist heute viel weiter als damals. Dann haben wir für den Zugang zum Arbeitsplatz gesorgt. Zum Glück hatten wir bereits einen Lift im Gebäude. Aus unseren Einzelbüros ist später ein Grossraumbüro geworden, damit Herr S. nicht alleine im Büro sitzt. Mit dem heutigen Fortschritt – von Bedienhilfen bis zum Blätterautomat für einzelne Seiten – kann Herr S. vieles alleine machen.

Arbeitgeber Carlo Büchler, Arbeitnehmer Herr S.

„Herr S. hat zuerst bei uns eine Zusatzlehre gemacht und sich vom Elektromonteur zum Elektrozeichner umgeschult. Nun arbeitet er schon seit 16 Jahren bei uns im Betrieb. Heute ist er voll integriert und leistet prima Arbeit – er ist aber immer wieder auf Hilfe angewiesen. Für uns ist er ein normaler Mitarbeiter, mit allen Vor- und Nachteilen, die er hat.“ – „Es funktioniert auch mal etwas nicht so, wie es sollte, das weiss ich. Dann müssen meine Kollegen tolerant sein, man muss miteinander sprechen und gemeinsam eine Lösung suchen. Wenn es mit den Mitarbeitern klappt, klappt auch der Rest.“

Arbeitnehmer Herr S.

Ich möchte Arbeitgeber ermuntern, eine solche Anstellung einfach mal zu probieren. Leute wie ich sind sehr motiviert bei der Arbeit und legen viel Wert darauf, die Arbeit gut zu erledigen. Jemanden wie mich einzustellen ist sicher eine Mutsache, aber kein grosser Schritt. Denn entlassen kann man immer wieder, wenn es nicht klappt. Dafür gibt es ja auch eine Probezeit, wie bei allen anderen. Im Kopf bin ich ja ganz normal. Mit der Einrichtung, die ich jetzt habe, kann ich die gleiche Arbeit erledigen wie andere. Komplett unabhängig bin ich jedoch nicht. Ich brauche die Hilfe meiner Arbeitskollegen. Wenn ich etwa in einem Buch blättern muss.

Arbeitgeber Carlo Büchler

Mein Unternehmen muss rentieren. Aber wir haben als Arbeitgeber auch eine soziale Aufgabe. Ende Jahr haben wir nicht mehr oder weniger Geld verdient oder verloren mit Herr S. Er arbeitet gut. Dafür bekommt er einen minimalen Lohn. Ergänzend dazu zahlt ihm die IV den Rest einer 100% IV-Rente. Das Zwischenmenschliche gewinnt durch eine solche Anstellung. Ich als Arbeitgeber kann jemandem helfen. Zudem hat sich bei allen die Einstellung gegenüber Behinderten geändert und wir haben Ängste abbauen können. // November 2009
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