Compasso

Helsana Versicherungen AG

Arbeitgeberin Sandra Meier

Frau F. arbeitet bei uns im Kundendienst. Sie ist bereits über 20 Jahre bei Helsana. Ich habe sie 2006 im Frontoffice kennen gelernt. Sie hat viel am Telefon gearbeitet und gute Arbeit geleistet. Deshalb setzen wir uns auch für sie ein, das ist ganz klar. Aber sie hat psychische Probleme, die ihr zu schaffen machen. 2008 ist es ihr plötzlich schlechter gegangen. Sie hat dann vier Monate in der Klinik gelebt und trotzdem 50% bei uns gearbeitet. Aber ihr Arzt sagte: „Sie kann nicht mehr ans Telefon. Dieser Stress geht nicht mehr.“ Wir haben ihre Arbeitsabläufe ändern müssen. Inzwischen war ich Gruppenleiterin im Backoffice und habe Frau F. zu mir ins Team genommen. Sie erledigt heute einfache schriftliche Korrespondenz. Wobei sie gerade auch komplexe Aufgaben übernimmt, wenn es ihr Gesundheitszustand erlaubt. Etwa systemtechnisch schwierige Verrechnungen, die anderen Mühe bereiten. Als langjährige Mitarbeiterin bringt Frau F. die nötige Erfahrung mit, um solche Fälle zu lösen.

Arbeitnehmerin Frau F.

Als ich 1987 bei Helsana angefangen habe, hat sie noch Artisana geheissen. Mein Pflichtenheft war vielseitig, ich habe alle möglichen Büroarbeiten erledigt. Mehrheitlich aber hat man mich am Telefon im Kundendienst eingesetzt. 1992 habe ich nach der Geburt meines Sohnes unter schweren Depressionen gelitten. Nach dem Mutterschaftsurlaub habe ich aber weiterhin 100% gearbeitet. Es ging mir lange einfach nicht besser. Ich musste dann ein halbes Jahr in die Klinik, mit der Diagnose Borderline-Störung. Dennoch habe ich danach wieder 100% weiter gearbeitet. 2005 habe ich einen Alkoholentzug gemacht. Das hat wieder ein halbes Jahr Absenz bedeutet. Aber auch danach habe ich wieder die gleiche Arbeit im Vollzeitpensum gemacht. Damals habe ich das noch nicht mit dem Arbeitgeber angeschaut, ich habe mich auch nicht überfordert gefühlt. Die Arbeit ist mir wichtig gewesen, ich habe Spass daran gehabt. Erst seit 2008 habe ich so starke Probleme, dass ich den Stress nicht mehr aushalte. Als ich dann wieder vier Monate in der Klinik gewesen bin, habe ich entsprechend meiner Tagesverfassung – mal mehr, mal weniger – gearbeitet. Gleichzeitig hat mich Helsana bei der IV angemeldet.

Arbeitgeberin Sandra Meier mit Arbeitnehmerin Frau F.

Frau F. und ich sind in sehr gutem Kontakt. Ich sehe sie von meinem Arbeitsplatz aus, das sensibilisiert. Während der gemeinsamen Arbeit, etwa wenn wir die Post sortieren, ergibt sich das eine oder andere Gespräch. Es braucht schon eine Anlaufzeit, bis man merkt, wenn es einem Menschen nicht gut geht. Frau F. hat sich so gut im Griff, dass man es als Aussenstehende nicht merkt. Jetzt ist einfach wichtig, dass sie nicht unter Zeitdruck steht. Denn manchmal hat sie Denkblockaden. Mittlerweile weiss ich, wie ich in solchen Situationen reagieren muss. Entscheidend ist die Einführung des „HR Care Managements“ von Helsana 2009 gewesen. Von da an haben wir wirklich lösungsorientiert handeln können und haben Frau F.s Arbeitsumfeld so angepasst, dass sie heute ihre beste Leistung bringen kann.

Arbeitgeberin Sandra Meier

Als die Probleme grösser wurden, habe ich mich mit der Personalverantwortlichen unserer Region abgesprochen. Wir haben beschlossen, die Unterstützung des „HR Care Management“ in Anspruch zu nehmen. Dort haben wir mit den Fachleuten die geeigneten Massnahmen besprochen und sogleich umgesetzt: Um den belastenden Druck von Frau F. zu nehmen, konnten wir für sie eine „Stempelbefreiung“ für die Zeiterfassung erreichen. Seither hat sie mit weniger strengen zeitlichen Vorgaben und abgestimmt auf ihre gesundheitliche Verfassung gearbeitet. Frau F. selbst hat mit ihren Kolleginnen und Kollegen offen über ihre Borderline-Störung gesprochen und Fragen beantwortet. Bei den Mitarbeitenden ist das gut angekommen, sie haben diese Krankheit nicht gekannt.

Arbeitgeberin Sandra Meier, im Bild Arbeitnehmerin Frau F.

Bei allem Wohlwollen ihrer Kolleginnen und Kollegen hat es aber auch Unmut gegeben. Denn während der Absenzen von Frau F. ist es immer wieder zu Engpässen gekommen. Es ist einiges liegen geblieben, das andere zusätzlich zu ihren eigenen Aufgaben haben übernehmen müssen. Der Entscheid, ob Frau F. in Zukunft eine Rente von der IV bekommen wird, steht noch aus. Bis der IV-Entscheid vorliegt, trägt Helsana die Kosten. Dafür hat sich das „HR Care Management“ Team eingesetzt. Unsere Kostenstelle wurde durch diese Lösung entlastet und wir haben eine zusätzliche Person einstellen können.

Arbeitnehmerin Frau F.

Mein Arbeitsplatz ist mir sehr wichtig. Hier bin ich voll integriert und merke auch nicht, dass ich anders bin als die anderen. Ich werde nicht immer gefragt „Wie geht es dir?“, sondern wir sprechen ganz normal miteinander über Arbeits- und Alltagsthemen. Als ich damals, 2008, in der Klinik war, habe ich das Gefühl gehabt, ich kann nie mehr arbeiten gehen. Ich war so weit unten. Meine Vorgesetzten sind zu mir in die Klinik gekommen. Wir haben das Ganze zusammen angeschaut und nach Lösungen gesucht. So habe ich mich dann langsam wieder in die Arbeitswelt integriert. Es hat viele Anläufe gebraucht. Damals war ich aber auch noch im Frontoffice, am Telefon. Das hat mich viel mehr gestresst als heute, wo ich in Ruhe meine Arbeit machen kann. Ich werde jetzt auch in Ruhe gelassen, wenn sie merken, dass es mir nicht gut geht. – Mein Ziel ist, jeden Tag arbeiten zu gehen. Ich brauche die Struktur.

Arbeitgeberin Sandra Meier

In einem solchen Eingliederungsprozess gibt es Momente, in denen man gefordert ist oder nicht mehr weiter weiss. Dann kann ich mit dem „HR Care Management“ Kontakt aufnehmen und die nächsten Schritte besprechen. Wenn ich heute in eine ähnliche Situation käme, würde ich viel schneller auf die Bremse stehen und sagen: Da muss von Arbeitgeberseite reagiert werden. Kaum ist das „HR Care Management“ da gewesen, ist etwas gelaufen. Mit der professionellen Betreuung sind Entscheidungen getroffen worden, wie wir vorgehen können. Frau F. ist ein Gewinn fürs Team. Sie erledigt ihre Arbeit gut, darüber muss man nicht diskutieren – aber auch persönlich. Es lockert die Stimmung, wenn ein solch ‚alter Hase’ dabei ist und beruhigen kann: „Ja du, das haben wir bei Helsana schon zweimal durchgemacht“ oder „Das habe ich auch schon erlebt, das ist nicht so schlimm“. Sie ist eine normale Teamkollegin, und so wird sie auch behandelt. // Juni 2010
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