Compasso

BG Ingénieurs Conseil

Arbeitgeber Diego Salamon

Cadschool hat uns im Auftrag der IV angefragt ob wir für drei Monate einen Praktikanten aufnehmen könnten. Cadschool ist ein Ausbildungsinstitut im Bereich computerbasierte Planung und Illustration. Wir kennen die Institution, wir hatten schon einmal einen Praktikanten von ihnen. Ich hatte keine Bedenken; das finanzielle Risiko ist dank der Begleitung durch die IV minimal. BG Ingénieurs Conseil ist ein Ingenieur- und Beratungsunternehmen. Unser Angebot umfasst die Bereiche Infrastruktur, Umwelt, Hochbau und Energie. In der Schweiz sind wir im Sektor Gebäudeelektronik ca. 22 Mitarbeiter, gut die Hälfte davon hier in Genf.

Arbeitnehmer Herr G.

Die Neuronitis vestibularis kam aus heiterem Himmel am 22. Juni 2010. Ich hatte plötzlich Schwindelanfälle, Übelkeit mit Erbrechen, alles drehte sich - es fühlte sich eigentlich so an, wie wenn ich eine Flasche Alkohol geleert hätte. Und das drei Wochen lang jeden Tag. Dann wurde es schwächer, aber es dauerte Monate. Ich konnte nicht einmal richtig gehen und auch nicht Autofahren. Meine vorherige Arbeit als Elektromonteur konnte ich mit dieser Störung des Gleichgewichtssinns unmöglich mehr machen. Es wäre für mich und meine Kollegen zu gefährlich, z.B. in 10 Metern Höhe herumzuklettern. Als klar war, dass ich nicht in meinen alten Job zurück kann, hat mein Arzt die IV informiert. Es ging alles extrem schnell. Ich hatte innerhalb einer Woche Termine mit den Versicherungen und mit Ärzten.

IV-Berater Alain Magnenat mit Herrn G.

Ich habe Herrn G. im Januar 2011 im Rahmen der Frühintervention empfangen. Seine Krankheit ist unberechenbar, sie kann so schnell vergehen wie sie gekommen ist. Wir wollten aber nicht zu lange abwarten, sondern handeln. Da Herr G. zu dem Zeitpunkt seinen alten Beruf nicht weiter ausüben konnte, haben wir geschaut, was in Frage kommt. Wir dachten an einen Bürojob, weil seine Beeinträchtigung sich dort nicht so stark auswirkt. Die Ausbildung in computergestütztem technischem Zeichnen machte Sinn, da sie verwandt ist mit seiner alten Tätigkeit. Wir meldeten ihn also bei Cadschool an, die diese Ausbildung anbietet. Im Rahmen der Ausbildung ist ein dreimonatiges Praktikum vorgesehen. Cadschool fragte BG an und begleitete dieses Praktikum im Auftrag der IV auch.

Arbeitnehmer Herr G. mit Arbeitgeber Diego Salamon

Als ich bei BG anfing hatte ich schon meine Zweifel, „Werde ich das schaffen?“. Es ist eine andere Welt, nicht vergleichbar. Als Elektromonteur ist man dauernd unterwegs, heute sitze ich im Büro. Dieser Wechsel war schwer für mich. Meinen Beruf, den ich ausgewählt habe, den ich gern gemacht habe, kann ich jetzt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen. Das tut weh. Meine Krankheit hat mich schon beeinträchtigt. Mein Hirn musste sich so auf das Gleichgewicht konzentrieren, und dazu dauernd überlegen was zu tun ist. Acht Stunden vor einem Computer sitzen - das war anstrengend. Aber ich habe mir gesagt: „Neue Arbeit, neues Leben. Ich schaue jetzt nach vorne.“ Irgendwann begann es mir Spass zu machen. Das Praktikum bei BG verlief gut und wurde auf ein Jahr verlängert.

Arbeitgeber Diego Salamon mit Arbeitnehmer Herr G.

Ich schätze Herrn G.’s positive Einstellung. Er hat eine neue Tätigkeit entdeckt und nach dem Zweifeln kam ein gewisses Vertrauen, eine Motivation, die er auch mitteilt. Das ist eindrücklich zu sehen. Er ist aufmerksam und will seine Aufgaben immer so gut wie möglich machen. Manchmal zu gut, dann wird er sofort ungeduldig, wenn etwas nicht klappt. Es ist klar, dass man von einem Praktikanten nicht die Leistung eines erfahrenen Zeichners erwartet. Man muss ihn enger begleiten. Die Erfahrung von Herr G. ist praktischer Natur und deckt nur eine Facette des ganzen Berufs ab. Er braucht noch mehr Weiterbildungen und muss auch noch viel autodidaktisch lernen. Es braucht Zeit, aber das ist normal.

Arbeitnehmer Herr G.

Ich bin heute 100% arbeitsfähig und seit Juli fest angestellt. Meine Arbeitsaufgaben variieren jeden Tag. Manchmal arbeite ich an verschiedenen Plänen, manchmal drucke ich den ganzen Tag nur aus und liefere die Pläne persönlich aus. Man muss den Auftraggebern vor Ort ja auch erklären, was man am Plan verändert hat. Es gibt stressige Tage, wenn z.B. ein Kunde den Plan zu einer bestimmten Zeit erwartet. Die Arbeit ist sehr komplex und man darf keine Fehler machen. Meine vorherige Arbeit hilft mir als Basis. Der Technische Zeichner erstellt die Pläne, nach denen die Monteure draussen arbeiten. Ich bin sozusagen vom Schauspieler zum Drehbuchautor geworden. Als ich krank wurde und ein Jahr nicht arbeiten konnte, habe ich mich gefragt “Was wird aus mir?“. Diese Festanstellung bedeutet für mich Sicherheit; ich bin viel entspannter, zuversichtlicher.

IV-Berater Alain Magnenat, Arbeitgeber Diego Salamon, Arbeitnehmer Herr G.

Ich glaube, unsere Versicherten sind dankbar und sich bewusst, dass das Unternehmen ihnen eine Chance bietet. Für den Arbeitgeber ist das Risiko klein. Man geht Schritt für Schritt vor, macht zuerst ein Praktikum, verlängert es wenn es gut klappt. Wir setzen den Arbeitgeber nicht unter Druck. Er kann jederzeit aussteigen, wenn es nicht geht. –– Ich bin beeindruckt wie gut sich die IV auskennt in diesem Berufsfeld; sie wusste worauf es ankommt bei der Umschulung von einem Elektriker zum technischen Zeichner. Die IV war ein wichtiger Partner im ganzen Prozess. Sie waren sehr präsent. –– Besser als bei mir hätte die ganze Wiedereingliederung nicht ablaufen können; es ist alles super schnell organisiert worden. Da bin ich wirklich sehr dankbar. Es war eine grosse Erleichterung für mich und meine Familie, dass ich wieder arbeiten kann.

Arbeitgeber Diego Salamon

Bei einer nächsten Wiedereingliederung würde ich früher anfangen, die Person gezielt zu schulen und sie näher begleiten. Denn das Berufsbild ist sehr komplex. Natürlich muss man für eine solche Wiedereingliederung Zeit und personelle Ressourcen investieren. Es ist immer schwierig abzuschätzen ob es sich lohnt. Aber da dies durch die IV unterstützt wird, z.B. durch einen Einarbeitungszuschuss, sind wir finanziell gesehen eigentlich eher auf der Gewinnerseite. Vom menschlichen Aspekt her ist es befriedigend etwas zum Gemeinwohl beizutragen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es für uns auch gut, technische Zeichner auszubilden, da es nicht einfach ist, qualifizierte Personen zu finden. Wir müssen in Zukunft auf alle möglichen Ressourcen zurückgreifen, um gute Leute zu finden. // Oktober 2012
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