Compasso

Stämpfli AG

Arbeitgeber Peter Stämpfli

Der Projektleiter vom FER-Pilotprojekt ist per E-Mail auf uns zugekommen und hat uns angefragt, ob wir bei ihrem Projekt, das die Früherkennung in Unternehmen verbessern möchte, mitmachen. Bei uns ist das auf offene Ohren gestossen. Wir suchen nach Lösungen, bei welchen die verschiedenen Beteiligten möglichst reibungsfrei zusammenarbeiten können. Das hat uns am FER-Projekt interessiert. Es ist uns wichtig, einen ganzheitlichen Blick auf die einzelnen Mitarbeitenden zu haben. Arbeitsort ist Lebensort: Wenn es dem Mitarbeitenden hier gut geht, dann geht es ihm auch zu Hause besser; wenn es ihm zu Hause gut läuft, dann arbeitet er besser. Wir haben die Pflicht hinzuhören, wenn es jemandem nicht gut geht. Wir können Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und einen Beitrag leisten, damit jemand möglichst rasch wieder arbeiten kann.

Margret Kämpf, Leiterin Personal und Dienste mit Peter Stämpfli

Wir haben uns die Ideen der Projektinitianten näher angehört: Das Projekt sieht eine verbindliche Zusammenarbeit mit den verschiedenen Versicherern vor, wenn sich die Leistung eines Mitarbeitenden aus gesundheitlichen Gründen verschlechtert. Interessant ist vor allem der gemeinsame Finanzierungspool, mit welchem Massnahmen rasch und unkompliziert umgesetzt werden können. Die Geschäftsleitung hat beschlossen, dass wir mitmachen, weil dadurch unsere Bemühungen zusätzlich unterstützt werden. Im Anschluss hat der Projektverantwortliche, Ueli Streit, das Projekt unserer Führungsgruppe vorgestellt. Es ist wichtig, dass die Führungspersonen wissen, worum es geht. Die Mitarbeitenden sind über das Projekt informiert worden und werden jeweils nochmals daran erinnert, wenn sie mit einer der Personalverantwortlichen und dem Vorgesetzten ein Gespräch haben.

Margret Kämpf, Leiterin Personal und Dienste

Gemeinsam mit unseren Sozialversicherern haben wir nach einem vereinbarten Schlüssel den Finanzierungspool gefüllt. Von den 45’000 CHF haben wir gut 15’000 CHF gebraucht, unter anderem für drei Stehpulte – eines davon für Herrn F. Wir haben Massnahmen finanziert, die sonst keine Versicherung bezahlt hätte – z.B. Spitex für jemanden, der einen Arm gebrochen hat und seinen Haushalt nur noch eingeschränkt hat führen können. Zudem haben wir eine Gesundheitsgruppe, die immer wieder Präventions-Aktionen plant. Auch da haben wir 2012 einzelne Aktionen aus dem Pool finanziert. Der direkte Kontakt zu unseren Versicherern hilft uns, schneller reagieren zu können. Zum Beispiel haben wir in der Buchbinderei eine grössere Arbeitsplatzabklärung gemacht. Mehrere Mitarbeitende haben vermehrt Probleme mit Handgelenken oder Rücken gehabt. Eine Fachperson des Taggeldversicherers hat die Arbeit beobachtet, mit den Mitarbeitenden gesprochen und uns nun Vorschläge gemacht, was man verbessern könnte.

Margret Kämpf, Leiterin Personal und Dienste mit Ueli Streit, FER-Projektleiter

Schon bevor wir beim FER-Projekt mitgemacht haben, haben wir ein ziemlich ausgeklügeltes Anwesenheitsmanagement gehabt, haben es aber mit FER angepasst. Wir müssen nun noch disziplinierter vorgehen, der Prozess und die Verantwortlichkeiten sind klar geregelt. Auch bei den Gesprächen, die geführt werden, ist klar definiert, ob und wer diese wann führt. Fehlt jemand mehr als sieben Tage, wird ein Gespräch geführt. Vorgesehen ist ein Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten und einer Personalverantwortlichen. Für das Gespräch gibt es einen Leitfaden. FER hat uns ein Muster für diesen Leitfaden zur Verfügung gestellt.

Margret Kämpf, Leiterin Personal und Dienste mit Ueli Streit, FER-Projektleiter

Der Hauptnutzen vom Finanzierungspool ist, dass man sofort etwas unternehmen kann. Ein Stehpult könnte man zum Beispiel auch über die IV finanzieren lassen. Es wäre möglich, dauert einfach länger. Dank unserem Pool kann ich zusammen mit dem Arzt und nach Rücksprache mit Herrn Streit von FER sofort und problemlos entscheiden. Ein grosser Vorteil vom FER ist auch die direkte Ansprechperson: Mit unserem Taggeldversicherer haben wir zwar schon einen engen Kontakt gehabt. Aber gerade bei der IV und der Suva ist der entscheidende Vorteil: Wir haben eine Person, die für uns zuständig ist und wir haben einen direkten Ansprechpartner dort. Ich kann eine E-Mail an unseren Suva-Betreuer schreiben und dann weiss ich, dass er sich darum kümmern wird. Das ist enorm hilfreich.

Arbeitnehmer Herr F.

Rückenprobleme habe ich das erste Mal vor etwa 20 Jahren gehabt. Nach mehreren Abklärungen ist ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert worden. Damals hat man noch nicht so schnell operiert. Man hat mir sehr starke Medikamente gegeben und es hat tatsächlich begonnen zu bessern. Ich habe jahrelang damit gelebt. Klar, wenn ich viel sitzen musste, ist das für meinen Rücken nicht das Beste gewesen. Da habe ich mir damit geholfen, dass ich zwischendurch aufgestanden und herumgelaufen bin. Als ich vor etwa 15 Jahren bei Stämpfli angefangen habe, ist das ziemlich gut gegangen. Vor drei Jahren hat es wieder langsam angefangen – der Bandscheibenvorfall ist halt immer noch da gewesen. Anfang des letzten Jahres habe ich meiner Tochter beim Umzug geholfen. Das ist wieder ein Auslöser gewesen. Es ist ein halbes Jahr gegangen, bis ich wieder beschwerdefrei gewesen bin. Langes Sitzen ist für mich ein Horror.

Vorgesetzte Lilian Zweifel mit Arbeitnehmer Herr F.

Wir haben es zuerst mit Schonen probiert. Er hat von zu Hause arbeiten können. Zuhause hat er sich hinlegen können, wenn er Schmerzen gespürt hat. Das war kein Problem, denn Herr F. hat von zu Hause auf alles zugreifen können. Wir waren immer im Kontakt, über Mail und über Telefon. Und ich habe versucht, Sitzungen so zu legen, dass er dabei sein kann. Die Arbeitskollegen haben viel Verständnis gezeigt. Als ich von meinen Ferien zurückgekommen bin, hat mich Frau Kämpf informiert: „Es hat geklappt, wir konnten mit FER etwas für Herrn F. machen. Er bekommt ein Stehpult.“ Es ging sehr schnell und war toll, da es auch mich entlastet hat. Heute merkt man ihm nichts mehr an. Er leistet 100% wie vor dem Vorfall und arbeitet wieder hier am Arbeitsplatz.

Arbeitnehmer Herr F.

Meine Ärztin hat gemeint, es wäre gut, wenn das Sitzen nicht wäre – das sei Gift für meinen Rücken. Ich bin zu Frau Kämpf gegangen und habe ihr erklärt, dass ein Stehpult ideal wäre für mich. Sie hat ein Arztzeugnis verlangt, danach ist es ganz schnell vorwärts gegangen. Innerhalb einer Woche ist der Lieferant zum Messen gekommen und sechs Wochen später ist das Pult geliefert worden. Meine Rückenprobleme sind jetzt nicht mehr akut. Trotzdem arbeite ich hauptsächlich im Stehen. Das ist für mich auch Prävention. Wenn ich zu lange sitzend arbeite, beginnt es zu brennen. Als Programmierer starrt man manchmal vier Stunden ohne Unterbruch in gleicher Position in den Bildschirm. Mit dem FER-Projekt habe ich gemerkt: Schnelle Hilfe ist möglich. Vielfach ist es auch genau das, was nötig ist. Es bringt nämlich nichts, zu warten, bis jemand gar nicht mehr kann.

Arbeitgeber Peter Stämpfli

Theoretisch könnten wir ein Stehpult auch selber finanzieren – ohne Finanzierungspool. Daher zeigt dieses Beispiel nur ungenügend, welchen Nutzen das FER-Projekt für eine Unternehmung in unserer Grösse bieten kann: Bei Problemen haben wir rasch alle Beteiligten am Tisch. Je früher wir mithelfen können, dass kein grösserer Schaden entsteht, desto besser. So können z.B. chronische Rückenprobleme, längere Ausfälle oder eine weniger schnelle Erholung vermieden werden. Wir sind überzeugt, dass der betriebswirtschaftliche Schaden – neben dem Menschlichen – fürs Unternehmen viel grösser wäre.
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