Compasso

«Arbeitsunfähig – abgestempelt auf immer und ewig?»

Im Fokus der Mitgliederveranstaltung von Compasso stand die Frage «Arbeitsunfähig – abgestempelt auf immer und ewig?». Der Verein zeigte anhand von prägnanten Beispielen auf, wie eine erfolgreiche Wiedereingliederung von beeinträchtigten Personen mit ausgewählten Instrumenten funktionieren kann und präsentierte die neue Struktur der Webseite im Bereich Wiedereingliederung.
Die diesjährige Mitgliederveranstaltung des Vereins Compasso fand beim Compasso-Sponsor, der Mobiliar, in Bern statt. Martin Kaiser, Präsident von Compasso und Nathalie Bourquenoud, Leiterin Human Development der Mobiliar, begrüssten die zahlreich teilnehmenden Mitglieder und Gäste. Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, würdigte die Arbeit von Compasso: „Der Verein Compasso leistet einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Eingliederung, indem er Arbeitgeber gezielt unterstützt.“

Bei der Wiedereingliederung geht es darum, Menschen, die durch einen Unfall oder Krankheit aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind, wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzugliedern. Im Gegensatz zum Thema Früherkennung und Arbeitsplatzerhaltung, wo man bereits auf gutem Weg ist, steht man bei der Wiedereingliederung noch am Anfang. „Aufgrund von Erfolgsbeispielen aus der Praxis wissen wir aber, dass auch die Wiedereingliederung gelingen kann. Entscheidend ist dabei immer, sich auf die Ressourcen der beeinträchtigten Person zu konzentrieren, nicht auf die Defizite“, hob Martin Kaiser, Präsident von Compasso, hervor.

Compasso unterstützt Arbeitgeber darin, kompetente Fachleute wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern oder diese im Erwerbsleben zu halten. Damit leistet Compasso auch einen wichtigen Beitrag zur Minderung des Fachkräftemangels, schrieb Bundespräsident Johann N. Schneider-Amann in seiner Grussbotschaft an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Fachtagung.

Praxistaugliche Informationen und Instrumente für Arbeitgeber

In den letzten Monaten hat Compasso die Informationen und Instrumente zur Wiedereingliederung weiterentwickelt, diese stehen nun auf der Webseite zur Verfügung. Ueli Streit, Leiter Fachentwicklung bei Compasso, führte durch den komplett neu gestalteten zweiten Teil der Webseite des Informationsportals Compasso. Er stellte ausgewählte Instrumente vor und verwies auf die neuen Praxisbeispiele. Die verbesserte Übersichtlichkeit soll insbesondere auch KMUs bei der Neuanstellung von beeinträchtigten Personen unterstützen. Ueli Streit präsentierte zudem die fachlichen Schwerpunkte 2017 von Compasso. Im Zentrum stehen die Zusammenarbeit der Arbeitgeber und Ärzte, die erstmalige berufliche Eingliederung von Jugendlichen und die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber, Pensionskasse und Taggeldversicherung.

Die IV-Stelle Solothurn gewährte einen Einblick in die Praxis und zeigte anhand einer gelungenen Wiedereingliederung auf, was konkret getan werden kann. Die betroffene Pflegeassistentin hatte eine Diskushernie erlitten und konnte ihrer Tätigkeit in der Langzeitpflege nicht mehr nachkommen. Über einen Arbeitsversuch fasste sie als medizinische Praxisassistentin wieder Tritt. Die Arbeitgeberin betonte, dass der wichtigste Erfolgsfaktor die Bereitschaft und Motivation des beeinträchtigten Mitarbeitenden sei. Zudem sei auch die enge Begleitung durch den Coach der IV-Stelle sehr hilfreich gewesen. Die Betroffene forderte die Arbeitgeber auf, beeinträchtigten Menschen eine Chance zu geben. «Ein ebenso unspektakulärer wie typischer Fall. Die Wiedereingliederung ist gelungen, weil alle Involvierten am gleichen Strick gezogen haben und die zur Verfügung stehenden Instrumente gezielt nutzten», meinte Tagungsleiter Anton Hanselmann, ehemaliger Personalchef der Frutiger AG und heutiger Vizepräsident von Compasso.

Unter dem Titel «Was können wir für Sie tun, damit Sie keine Rente brauchen?» zeigte Stefan Ritler, Vizedirektor und Leiter des Geschäftsfeldes Invalidenversicherung des BSV, die Weiterentwicklung der IV auf. Laut Stefan Ritler ist der Rentenbestand zwar rascher gesunken als erwartet, die politischen Ziele für die Wiedereingliederung aus der Rente (IV-Revision 6a) sind aber noch nicht erreicht. Die geplante Weiterentwicklung der IV will die versicherte Person wieder mehr in den Mittelpunkt stellen und fokussiert auf Jugendliche und Personen mit psychischen Störungen.

Alle müssen am gleichen Strick ziehen

Zum Abschluss der Veranstaltung diskutieren Stefan Ritler, Vizedirektor und Leiter des Geschäftsfelds Invalidenversicherung des BSV, Monika Dudle-Ammann, Präsidentin der IV-Stellenkonferenz, Dr. med. Fulvia Rota, Vorstandsmitglied SGPP/FMPP, Daniel Andris, Leiter Koordination & Analyse, Mobiliar Vorsorge und Ann-Kathrin Greutmann, Leiterin Diversity und Gesundheit, Zürcher Kantonalbank, was eine erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung ermöglicht. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig: Eine von Offenheit und Vertrauen geprägte Zusammenarbeit der beteiligten Partner ist der Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Wiedereingliederung. Dabei wurde klar, dass insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und den Arbeitgebern gestärkt werden muss. Stefan Ritler und Monika Dudle-Ammann führten aus, dass dank der IV-Revision ein Kulturwandel stattgefunden hat und neue Instrumente zur Verfügung stehen, es aber immer noch viel zu tun gibt. Gemäss Dr. med. Fulvia Rota gibt es insbesondere im Bereich psychische Beeinträchtigungen noch viel Verbesserungspotenzial. Ann-Kathrin Greutmann betonte, dass beim Eingliederungsprogramm der ZKB das Wissen, welches die beeinträchtigte Person mitbringt, im Zentrum steht und nicht das Handicap. Daniel Andris verwies auf die wichtige Rolle der Versicherungen und erläuterte, dass diese den Auftrag haben, den Eingliederungsprozess koordinierend zu unterstützen. „Je früher die Fälle aktiv aufgenommen werden, desto grösser die Erfolgsaussichten. Zuschauen und abwarten ist ein schlechter Rat“, fasste Dr. Barbara Rigassi, Geschäftsführerin Compasso, eine weitere Erkenntnis der Podiumsdiskussion zusammen.

„Die Wiedereingliederung generiert für alle Beteiligten einen Mehrwert und leistet einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel“, zog Martin Kaiser als Fazit. Die Unterstützung der Arbeitgeber und der Betroffenen sowie verlässliche Beziehungen sind zentrale Erfolgsfaktoren. Martin Kaiser wies in seiner Abschlussrede darauf hin, dass man nicht vergessen sollte, dass die Geschichte der beruflichen Eingliederung erst 15 Jahre alt ist und in dieser Zeit schon einiges erreicht wurde. „Unser Ziel von Compasso ist die Erhaltung oder Wiedererlangung der Arbeitsmarktfähigkeit von möglichst vielen Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit!“

Berufliche Integration im Fokus des Tagesgesprächs und Rendez-Vous am Mittag

Im Rahmen der Veranstaltung waren Ann-Kathrin Greutmann und Jay Lieberherr, der ein Integrationsprogramm bei der Zürcher Kantonalbank absolviert, beim Tagesgespräch von Radio SRF zu Gast. Im Vorfeld des Gesprächs sendete Rendez-Vous am Mittag zudem einen Beitrag zum Thema berufliche Integration.

Video Compasso-Event

(02.12.2016)

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