Compasso

Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? Arbeitgeber EHB

Die ausgeschriebene Stelle war von Anfang an fokussiert auf eine Person mit Beeinträchtigung. Sowohl die Vorgesetzte in der Abteilung, wie auch die Leiterin des HR haben bereits positive Erfahrungen mit solchen Anstellungen gemacht. Und da die Leiterin des HR vorgängig beim Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband SBV tätig gewesen war, lag es auf der Hand, dass wir diese Erfahrung nutzen und die Stelle auf eine blinde oder sehbehinderte Person zuschneiden würden.

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? Arbeitnehmer Herr P.

Ich bin 26 Jahre alt, seit Geburt sehbehindert und im sechsten Lebensjahr erblindet. Nach Schuljahren an der Blindenschule, dem Matura-Abschluss am Gymnasium und einer Lehre als Kaufmann EFZ bin ich seit Herbst 2017 als Sachbearbeiter für das EHB im Direktionsstab tätig. Ich habe mich auf die ausgeschriebene Stelle beworben und bin nach einem erfolgreichen Arbeitsversuch fest eingestellt worden. Mittels meiner Hilfsmittel (Sprachausgabe und Braillezeile, die den auf dem Bildschirm ersichtlichen Text sowohl in Sprache als auch in Brailleschrift ausgeben) bewältige ich im Rahmen eines 80%-Pensums ein weit gefächertes Aufgabengebiet, das neben der Administration einer Datenbank von EHB-Abgängern, der Protokollführung, der Vor- und Nachbereitung von Sitzungen sowie Ämterkonsultationen für die Hochschulleitung inzwischen auch das Verfassen von Referaten der Direktorin und die Mitarbeit für ihren Blog umfasst.

Integrationsprozess

Die Einarbeitung von Herrn P. war sehr umsichtig. Noch während eines sogenannten Arbeitsversuchs, finanziert durch die IV, war seine Sehbehinderung Thema einer «internen Sensibilisierung», welche im Team durchgeführt wurde. So konnte Herr P. seine Sehbehinderung und den Umgang damit aufzeigen. Die IV-Stelle finanzierte einige Hilfsmittel von Herrn P., welche er zum Arbeiten und Fortbewegen braucht. Dazu gehören die Braillezeile sowie Software (Screenreader). Weitere Hilfsmittel braucht er, um von A nach B zu kommen, z.B. den weissen Stock, der ihm einerseits Hindernisse anzeigt, andererseits ein Signal für Passanten ist. Zudem benutzt Herr P. diverse Apps auf seinem Smartphone, die ihm im Alltag eine grosse Hilfe sind.

Unterstützung durch den Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband SBV

Die Stellenausschreibung wurde durch das Job Coaching des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands SBV begleitet. So erhielten wir erste Hinweise zur Machbarkeit der angedachten Aufgaben, Informationen zu Leistungen der IV und weiteren Unterstützungsmöglichkeiten. Die Stellenausschreibung wurde vom SBV über ihre Kanäle lanciert. Nicht zu unterschätzen waren und bleiben im EHB-Gebäude überdies sicherheitsrelevante Raumkonstellationen, die ein Spezialist des SBV bei einem Rundgang auf Barrierefreiheit überprüft hat.

Herausforderungen und Empfehlungen des Arbeitgebers

Wir haben uns ziemlich Sorgen gemacht, bald schon aber realisiert, dass davon Abstand zu nehmen ist – im Vertrauen darauf, dass sich unser neuer Mitarbeiter schon nichts zumutet, was seine Sicherheit gefährdet. Sehr dienlich war die Sensibilisierung im Team, welche auch dazu geführt hat, dass Barrieren abgebaut wurden und wir aktiv aufeinander zugehen. Es ist eine absolut positive Erfahrung!

Persönliche Erfahrungen von Herr P.

Ich schätze, dass mir Verantwortung übertragen und einiges zugetraut wird, ebenso das von Flexibilität, Offenheit und Transparenz geprägte Arbeitsumfeld. Mir liegt daran, mich möglichst selbstständig einzubringen und dabei auch etwas zu leisten, das anderen dient. Zudem will ich «keine Spezialbehandlung». Weit wichtiger sind mir gegenseitiger Austausch, integrative Akzeptanz und die Gewissheit, gefordert zu sein, sodass ich auf meine Stärken bauen kann.
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