Compasso

Studie über die beruflich-soziale Eingliederung aus Sicht von IV-Versicherten

Im Rahmen des dritten mehrjährigen Forschungsprogramms zu Invalidität und Behinderung zeigt das Bundesamt für Sozialversicherungen zum ersten Mal auf, wie die Versicherten selbst die Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) erlebt haben bzw. wie sie ihre Lebenssituation wahrnehmen und wie sich diese im Rahmen des Eingliederungsprozesses verändert hat. Am Forschungsbericht beteiligt war unter anderem auch Dr. Niklas Baer, Leiter Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland.
Ziel der Forschung war es, Daten zur Lebens- und Arbeitssituation von aktuellen und ehemaligen Empfänger/innen von IV-Eingliederungsmassnahmen im zeitlichen Verlauf zu erheben und zu untersuchen. Von grosser Bedeutung sind dabei die Faktoren, die sich günstig oder ungünstig auf den Erfolg der Eingliederungsmassnahmen ausgewirkt haben. Dabei interessierte insbesondere auch, wie die Versicherten das Verhalten von behandelnden Ärzten, Arbeitgebern und Personen im familiären und sozialen Umfeld wahrnehmen.

Wahrnehmung des Arbeitsumfelds
Die Betroffenen haben hinsichtlich des Arbeitsumfelds drei zentrale Aspekte genannt: die Bedeutung des Engagements des Arbeitgebers respektive Vorgesetzten, die Beziehung zum Vorgesetzten und die Transparenz der IV-Versicherten hinsichtlich ihrer Probleme.
In Bezug auf das Engagement des Arbeitgebers wurde von den Versicherten mehrfach betont, dass die Bereitschaft respektive Flexibilität des Arbeitgebers zentral ist, um die behinderungsbedingt nötigen Arbeitsanpassungen vorzunehmen und auf die Vorschläge und Angebote der IV einzugehen. Diese „Flexibilität“ der Arbeitgeber wird im Forschungsbericht als wesentlicher Erfolgsfaktor für die berufliche Eingliederung identifiziert. Zudem haben die Befragten darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass der Arbeitgeber bereit ist den IV-Versicherten trotz gewissen Problemen im Betrieb zu halten. Dieser Hinweis ist gemäss Bericht bedeutsam, weil es sich bei den Beeinträchtigungen oft um wiederkehrende oder anhaltende Zustände handelt. Der Bericht betont, dass diese Akzeptanz der Probleme wahrscheinlich nicht nur entlastend für die Versicherten, sondern auch eine Bedingung und damit Massnahmen für einen nachhaltigen Verbleib am Arbeitsplatz schafft. Und schliesslich hebt der Bericht hervor, dass es wertvoll ist, wenn der Versicherte am Arbeitsplatz bezüglich seiner Beeinträchtigung transparent ist. Denn gemäss der Betroffenen hat sich diese Transparenz positiv auf die Unterstützung durch das Arbeitsumfeld ausgewirkt.
Des Weiteren wurde von den befragten Betroffenen mehrmals darauf hingewiesen, dass ihnen eine gute gegenseitige Abstimmung und Kooperation zwischen IV, Behandlungsperson und Arbeitgeber Sicherheit gegeben hat, respektive dass eine fehlende Kommunikation unter den Beteiligten zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und zu gesundheitlicher Verschlechterung geführt hat.
(07.09.2018)
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