Compasso

Ein Jahr nach Lancierung des REP: Erste Erfahrungen der SBB

Interview mit Dagmar Fünffinger, Fachspezialistin Gesundheitsschutz & Prävention, SBB

Compasso: Im Rahmen der Lancierung des REP im November 2017 hat die SBB angekündigt, das REP bei der beruflichen Eingliederung von erkrankten und verunfallten Mitarbeitenden im Tessin einzusetzen. Wie ist es dazu gekommen und in welchen Bereichen ist das REP zum Einsatz gekommen?
D. Fünffinger: In der SBB ist Betriebliches Case Management seit vielen Jahren ein Element des integralen Unterstützungsangebots für die Mitarbeitenden in Bezug auf Arbeitsmarktfähigkeit, Gesundheit und Soziales. Seit Anfang 2018 arbeitet der Bereich «Arbeitsmarktfähigkeit, Gesundheit & Soziales» der SBB im Tessin mit dem neuen «Ressourcenorientierten Eingliederungsprofil» (REP) von Compasso. Die Überzeugung, diesen Weg zu gehen, ist aus einer Initiative der Suva Tessin entstanden, bei der es um die Stabilisierung stetig steigender Taggeldkosten geht. Es beteiligen sich neben der SBB (die Abteilung Operating der Division Personenverkehr) auch die Suva Bellinzona, die IV Tessin, die Ärzteschaft Tessin, die Migros Tessin und verschiedene Berufsverbände.
Das REP wurde seit der Einführung bereits mehrfach eingesetzt. Hauptsächlich bei verunfallten Mitarbeitenden. Zusätzlich zur klassischen Anwendung des REP für angestammte Tätigkeiten, haben wir das Instrument vor allem für den Einsatz von Schonarbeitsplätzen genutzt. In Abstimmung mit dem Mitarbeitenden hat die Führungskraft jeweils das Profil des angedachten Schonarbeitsplatzes im REP abgebildet. Der Arzt hat dann beurteilt, inwieweit sein Patient die Tätigkeiten ausführen kann.

Compasso: Welche Erfahrungen hat die SBB im Tessin mit dem REP gemacht? Und wo bestehen aus Ihrer Sicht konkrete Vorteile und allenfalls auch Optimierungspotenziale?
D. Fünffinger: Die bisherigen Erfahrungen mit dem REP waren durchwegs positiv. Der Einsatz des REP hat nicht nur die Kommunikation mit dem Arzt vereinfacht sondern auch die Kommunikation zwischen der Führungskraft und dem Mitarbeitenden. Dabei wurde das REP als Gesprächsgrundlage genutzt, um die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu besprechen. Das REP eignet sich also auch als Führungsinstrument. Dank dem REP konnte in 75% der Fälle die Rückkehr an den Arbeitsplatz beschleunigt werden. Zudem war das REP in der Mehrheit der Fälle nützlich für den Einsatz von Schonarbeitsplätzen.
Optimierungspotenzial sehen wir hauptsächlich bei der Bereitstellung von Informationen für den Arzt. Da die meisten Ärzte das REP nicht kennen, wäre es hilfreich, ihnen ein kurzes Informationsblatt über das REP bereitzustellen. Zusätzlich könnten Fotos von gewissen Tätigkeiten dem Arzt helfen, sich ein noch besseres Bild von den Arbeitsbedingungen/-belastungen zu machen. Beispielsweise im Falle von Handwerkern in den Unterhaltswerken oder Spezialmonteuren.

Compasso: Ist der Einsatz des REP in weiteren Regionen geplant?
D. Fünffinger: Unsere Case Manager und Führungskräfte arbeiten mit verschiedenen Instrumenten, um die verunfallten oder erkrankten Mitarbeitenden an ihren Arbeitsplatz zurückzuführen. Momentan machen wir eine Auslegeordnung aller Instrumente und überprüfen, welches Instrument wann am besten eingesetzt werden soll. Aus diesem Grund wollen wir noch weitere Erfahrungen mit dem REP sammeln und führen es zusätzlich noch in der Region Zürich ein. Sobald wir genügend Erfahrungen gesammelt haben und die Auslegeordnung abgeschlossen ist, werden wir entscheiden, in welchen Bereichen wir das REP in Zukunft bei der SBB anwenden.
(30.11.2018)
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