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Das REP im Einsatz: Erste Erfahrungen der IV-Stelle Kanton Bern

Interview mit Nadine Walker Schmid, Teamleiterin Eingliederungsmanagement, IV-Stelle Kanton Bern

1. Weshalb hat die IV-Stelle Kanton Bern das REP eingeführt?
Unsere Aufgabe ist es, gesundheitliche Probleme abzuklären und zu prüfen, ob und wie sich diese auf die Erwerbsfähigkeit auswirken, um den Weg zu einer den Einschränkungen angepassten Tätigkeit zu ebnen. Nach jeder Anmeldung prüfen wir systematisch das Eingliederungspotenzial und schöpfen dieses aus. Wir folgen dem Grundsatz „Eingliederung vor Rente“. Dabei kann das ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP ein hilfreiches Instrument sein. Denn nicht die Diagnose steht im Vordergrund, sondern der konkrete Abgleich der Anforderungen an den Arbeitsplatz mit den Möglichkeiten des Mitarbeitenden. Zudem betrachten wir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, insbesondere mit Arbeitgebern sowie Ärztinnen und Ärzten, als zentrale Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken.

2. In welchen Bereichen kommt das REP zum Einsatz?
Zum einen wird das REP von unserer HR-Abteilung bei gesundheitlich bedingten Ausfällen unserer eigenen Mitarbeitenden angewendet. Und zum anderen haben wir das REP in unsere internen Prozesse in der Fallarbeit eingeführt. So verweisen wir in unserem IV-Arbeitgeberfragebogen mit einem Link auf das REP und bitten den Arbeitgeber, die individuellen Anforderungen im Rahmen der Tätigkeit seines Mitarbeitenden mittels dem REP zu beschreiben. Mit den Grundlagen, die wir damit erhalten, können wir uns ein Bild von der Arbeitssituation machen und rasch geeignete Massnahmen prüfen. Zusätzlich sorgen wir mit diesem Vorgehen dafür, dass sich das REP bei den Arbeitgebern etabliert.

3. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem REP? Und wo bestehen aus Ihrer Sicht konkrete Vorteile und allenfalls auch gewisse Herausforderungen?
Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das REP in der Eingliederungsarbeit eine hilfreiche Kommunikationsbasis im Austausch mit den Arbeitgebern und Ärzten sein kann. Gerade den Ärztinnen und Ärzten fehlen oft die notwendigen Kenntnisse über die Anforderungen am Arbeitsplatz. Mit dem REP erhalten sie Informationen zu der individuellen Tätigkeit ihrer Patientinnen und Patienten und können mit diesen Angaben sodann differenzierter Stellung beziehen.
Da das REP dafür entwickelt wurde, die Kommunikation zwischen Arbeitgeber, behandelnder Ärztin bzw. behandelndem Arzt sowie des Mitarbeitenden zu verbessern, um eine generelle und längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zu vermeiden, sollte dieses Instrument von den Arbeitgebern wenn immer möglich eingesetzt werden, bevor es zu einer IV-Anmeldung kommt. Zudem ist der im REP formulierte Beschrieb der Anforderungen und Rahmenbedingungen eine gute Grundlage. Für unsere Eingliederungsarbeit benötigen wir aber detailliertere Angaben. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass bei frühzeitigem Einsatz des REP eine gute, nachhaltige Rückkehr an den Arbeitsplatz erzielt werden kann. Das erspart Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Leid und den Arbeitgebern hohe Kosten.
(28.03.2019)
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