Compasso

Das REP im Einsatz: Erfahrungen der Stiftung Auffangeinrichtung BVG

Die modernen, hellen Räumlichkeiten des Compasso-Mitgliedes Stiftung Auffangeinrichtung BVG gleich neben dem Bahnhof Oerlikon wirken äusserst ansprechend. Im Sitzungszimmer erwarten mich Isabel Diaz, HR-Verantwortliche, und Marc Gamba, Geschäftsführer der Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Gespräch über das ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP, die Erfahrungen, die die Stiftung damit gemacht hat und ihre Beweggründe, Compasso-Mitglied zu werden.
1. Bitte stellen Sie die Stiftung Auffangeinrichtung BVG und ihre Kerntätigkeiten kurz vor.
Wir sind eine privatrechtlich organisierte Stiftung. Im Auftrag des Bundes übernehmen wir an den drei Standorten Zürich, Lausanne und Bellinzona Spezialaufgaben in der beruflichen Vorsorge. Mit Abstand der grösste Geschäftszweig ist der Bereich Freizügigkeit. Hier betreuen wir über 1.1 Mio. Kunden und sind der grösste Marktteilnehmer, da wir keine Freizügigkeitsgelder abweisen dürfen. Wir bieten Vorsorge für Unternehmen und Privatpersonen an, die im Markt nirgends Anschluss finden. Dies sind beispielsweise Arbeitgeber, die bei keiner Sammelstiftung unterkommen oder Personen, die mehrere Arbeitgeber haben oder auch solche, die aus der obligatorischen Versicherung ausgeschieden sind und sich freiwillig weiter versichern lassen möchten. Hinzu kommen weitere Spezialaufgaben wie die Wiederanschlusskontrolle oder die Versicherung aller Arbeitslosen gegen Tod und Invalidität.

Unsere Non-Profit-Organisation wird von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden getragen. Insgesamt arbeiten zurzeit 190 Personen für die Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

2. Haben Sie in der Stiftung Auffangeinrichtung BVG inklusive Arbeitsplätze?
Nicht proaktiv, nein. Aber bei Anfragen von Institutionen zwecks Wiedereingliederung prüfen wir jeweils die Möglichkeiten und haben in der Vergangenheit auch schon erfolgreich beeinträchtigte Personen angestellt.

Beim Umzug unserer Stiftung vor einem Jahr haben wir auch auf Barrierefreiheit geachtet. Die Arbeitsplätze sind beispielsweise so gestaltet, dass auch im Rollstuhl gearbeitet werden kann.

3. Wie sind Sie auf das REP aufmerksam geworden?
Ich (Marc Gamba) hatte am 22. November 2017 an der Compasso-Fachtagung in Worblaufen teilgenommen. Hier wurde das neu entwickelte ressourcenorientierte Eingliederungsprofil REP von Compasso vorgestellt. Ich war begeistert ob der Tatsache, mit diesem Tool endlich den Austausch unter allen Involvierten (ÄrztInnen/Arbeitgeber/Mitarbeitende) zu ermöglichen. Insbesondere fand ich die Aussicht faszinierend, auch bei psychischen Problemen von Mitarbeitenden ein unterstützendes Tool in der Hand zu haben und fragte mich, ob das in der Praxis auch funktioniert. Anschliessend an die Tagung haben wir die Anwendung des REP intern besprochen. Isabel Diaz, HR-Verantwortliche, war bei ihren Nachforschungen zum Thema Arbeitsplatzerhalt auch bereits auf das REP gestossen und hatte ebenfalls grosses Interesse daran, dieses Instrument bei uns einzusetzen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmenskultur, wie es auch Vertrauen und Offenheit sind. Ein REP, so dachten wir, passt da sehr gut dazu und kann unsere Bemühungen in den Bereichen Absenzenreduzierung und Arbeitsplatzerhalt optimal unterstützen. Diese Annahme hat sich bestätigt.

4. In welchen Bereichen/konkreten Fällen haben Sie das REP eingeführt/kommt es zum Einsatz?
Wir arbeiten seit zwei Jahren mit einem systematischen Absenzenmanagement. Längere Abwesenheiten von Mitarbeitende hatten wir zwar festgehalten, es fehlte uns aber an pragmatischen Tools, die uns dabei unterstützen, die Betreuung ressourcenfördernd und wertschätzend zu gewährleisten. Das REP erschien uns hierfür ein geeignetes Instrument zu sein. Und tatsächlich haben wir von Anfang an gute Erfahrungen damit gemacht: Die Mitarbeitenden spürten unser Vertrauen in sie, dass uns wirklich daran gelegen war, sie im Unternehmen zu behalten. Und wir als Arbeitgeber wiederum erfuhren aufgrund der Gespräche mit den Betroffenen wie auch durch das Ausfüllen des Formulars durch den Arzt/die Ärztin, wie genau wir sie bei einer schrittweisen Rückkehr an den Arbeitsplatz unterstützen konnten. Notabene ohne dass wir die Diagnose kennen.

Für uns hat sich gezeigt, dass das REP gerade auch bei psychischen Erkrankungen eine tolle Hilfe ist: Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten konnte so überhaupt erst stattfinden, wurde klar vereinfacht und strukturiert. Mit dieser Unterstützung konnten wir in den konkreten Fällen die betroffenen Mitarbeitenden wieder in den Arbeitsprozess integrieren: zuerst in einer Teilzeitanstellung und dann Schritt für Schritt das Pensum aufstocken, bis eine 100%ige Arbeitstätigkeit wieder möglich war. Ein grosser Erfolg mit grosser Befriedigung für alle Beteiligten!

5. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem REP? Und wo bestehen aus Ihrer Sicht konkrete Vorteile und allenfalls auch gewisse Herausforderungen?
Initial besteht von Seiten Betroffenen gerade bei psychischen Erkrankungen oft eine gewisse Abwehrhaltung, ein gewisses Misstrauen gegenüber der Kommunikation mit Vorgesetzten und/oder dem HR. Die Angst besteht, sehr viel preisgeben, über sehr persönliche Dinge sprechen zu «müssen».
Und genau hier kommt ein grosser Vorteil des REP zum Tragen: Die Mitarbeitenden merken schnell, dass sie einerseits nichts sagen müssen, sondern etwas sagen können. Und sie merken andererseits das Commitment des Arbeitgebers: Es war uns sehr daran gelegen, die betroffenen Personen im Unternehmen zu behalten und ihnen so rasch als möglich die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen. Dadurch fällt für die Betroffenen aber auch für das Team viel Druck weg, was ein wichtiger Bestandteil im Heilungsprozess ist.

Aus Anwendersicht ist das Tool einfach einzusetzen: Man kann es von der Compasso-Homepage herunterladen, es ist intuitiv und bedarf keinen weiteren Erklärungen. Ein grosser Vorteil ist auch die Tatsache, dass das REP interaktiv ist und weitere Informationen direkt auf der Compasso-Homepage aufgeführt sind. Wir waren beim erstmaligen Einsatz positiv überrascht, wie umfassend die Auflistungen im Fragenkatalog sind. Es geht nicht nur um grundsätzliche Fähigkeiten, sondern auch um ganz spezifische Faktoren am Arbeitsplatz wie bspw. die Lärmbelastung.

6. Sie sind seit Ende letzten Jahres Mitglied von Compasso. Welches waren Ihre Beweggründe dafür?
Wir fanden es toll, dass ein so sinnvolles Instrument wie das ressourcenorientierte Eingliederungsprofil kostenlos angeboten wird! Es hat uns viel Aufwand und Zusatzschleifen erspart, das Vertrauen der betroffenen Mitarbeitenden sowie des restlichen Teams in uns als Arbeitgeber gestärkt und uns somit auch als Firma weitergebracht. Wir sagten uns: «Tue Gutes und sprich darüber», was wir mit einer Mitgliedschaft bei Compasso bekräftigen wollten. Wir als Stiftung, die sich mit denselben Themen konfrontiert sieht, wollen die sinnvolle Arbeit von Compasso mittragen, das ist auch ein Teil unserer sozialen Verantwortung.

Wir sind der Überzeugung, dass mit dem REP viel Positives bewirkt werden kann. Das Arbeitsleben ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es braucht viel Power und Krisen gehören leider zum Leben. Um danach weiterzumachen, bietet das REP optimale Unterstützung für alle Seiten.
(10.09.2019)
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