Compasso

Etablissement médico-social de Gundeldingen

Arbeitgeber Werner Wassermann

Frau L. ist schon sehr lange bei uns. Sie hat als Stationsleiterin gearbeitet und wir – aber auch die Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohner – schätzen sie sehr. Die ganze Geschichte hat Anfang 2010 damit begonnen, dass Frau L. starke Nackenschmerzen hatte. Wir haben zuerst geglaubt, dass das rasch vorüber geht. Sie hat immer mit Freude gearbeitet und wollte auch unbedingt weiter arbeiten, als sich ihr Halswirbel so sehr bemerkbar gemacht hat. Aber Pflege-Arbeit ist körperlich anstrengend, da gibt es ganz klare Grenzen.

Arbeitnehmerin Frau L. mit Christine Hasler, Sachbearbeiterin Sozialversicherungen

Es hat sich am Anfang angefühlt wie eine hundskommune „Hals-Cheri“. Die wurde aber nicht besser, sondern schlimmer. So habe ich mich nach rund einer Woche kaum mehr bewegen können. Mein Arzt hat dann rasch gesehen, dass es mehr als eine Verspannung ist. Ein CT hat gezeigt, dass die Bandscheibe das Problem war. Zervikale Diskushernie, heisst das offiziell. –– Wir haben natürlich gehofft, dass Frau L. rasch wieder einsatzfähig ist. Als sie nach einiger Zeit wieder zur Arbeit kam, haben wir versucht, sie zu entlasten. Wir haben ihr die körperliche Arbeit so gut es ging abgenommen. Weil sich die Situation nicht merklich verbesserte, wurde klar, dass wir das Case Management unseres Krankentaggeldversicherers einschalten sollten.

Marco Cereghetti, Case Manager Concordia mit Frau L. und Christine Hasler

Im September 2010 hat mich Christine Hasler kontaktiert, weil sich Frau L.‘s Zustand nicht gebessert hat. Sie hatte starke Schmerzen und die Arbeitsleistung war massiv eingeschränkt. Wir haben rasch ein sogenanntes Assessment-Gespräch mit Frau L. geführt. Da geht es darum, die Situation genau anzuschauen, erreichbare Ziele zu setzen und die nächsten Schritte zu definieren. Zuerst war das Ziel, dass Frau L. wieder in den bisherigen Job zurück kann. Weil sie ihren Job sehr gerne hatte, war ihr das wichtig. Wir haben weitere Therapieformen aufgegleist und ausgeschöpft. Leider sind wir dabei aber ebenfalls an Grenzen gestossen, so dass wir eine berufliche Neuorientierung in Betracht ziehen mussten.

Arbeitgeber Werner Wassermann mit Frau L.

Wir haben gesehen, wie sie gelitten hat. Mit der Zeit kam zu den dauernden Schmerzen auch die psychische Belastung hinzu. Trotz verschiedenster Therapien hat sich keine Besserung abgezeichnet. Ich habe mir gesagt: Wir müssen sie befreien und müssen eine andere Arbeit für sie finden, wenn wir sie bei uns behalten wollen. Da bin ich auf die Idee gekommen, sie als Schulungsverantwortliche für unsere Lernenden einzusetzen. In diesem Bereich haben wir sowieso eine Professionalisierung angestrebt.

Arbeitnehmerin Frau L.

Ich bin erschrocken, als Herr Cereghetti von einer IV-Anmeldung gesprochen hat – ich wollte doch keine Invalide sein. Später war ich aber froh um die Unterstützung. Der IV-Berater hat mich auch zu Hause besucht und wollte wissen, wie es mir geht und was beruflich noch möglich ist. Zuerst war ich nicht vollkommen überzeugt von der Idee, als Schulungsverantwortliche zu arbeiten. Ich habe meinen Job geliebt und wollte eigentlich weiterhin mit alten Menschen arbeiten. Ich habe aber eingesehen, dass meine Gesundheit das nicht mehr zulässt und bin erleichtert gewesen, dass die IV die nötige Umschulung finanziert hat.

Arbeitnehmerin Frau L. mit Lernenden

Auch wenn sie nicht ganz selbst gewählt ist: Ich habe heute eine spannende Arbeit. Ich arbeite nach dem „3 B-Motto“: Begleiten – Betreuen – Beraten. Ich plane und kontrolliere die Lerninhalte und bin Ansprechperson für Lernende und ihre Vorgesetzten. Es hilft, dass ich auch als Stationsleiterin gearbeitet habe und die Abläufe und den Betrieb sehr gut kenne. Das Bildungswesen interessiert mich. Vor allem gefällt mir auch der Austausch mit anderen Schulungsverantwortlichen aus anderen Heimen.

Arbeitnehmerin Frau L. mit Lernenden

Ich habe immer noch Schmerzen und kann zum Beispiel nicht gut lange in der gleichen Position sein. Auch Wetterumschläge setzen mir zu. Ich muss immer aufpassen, dass ich mich nicht übernehme. Sonst werde ich nachher mit Schmerzen bestraft. Ich bin eigentlich eher ein aktiver Mensch. Vor allem am Anfang habe ich mir immer gesagt: „Ach komm, das schaffst Du schon“. Aber man kann eben nicht alles mit der Einstellung beeinflussen. Ich muss meine Beeinträchtigung akzeptieren und lernen, damit umzugehen.

Christine Hasler, Sachbearbeiterin Sozialversicherungen mit Arbeitgeber Werner Wassermann

Die neutrale Sicht des Case Managers ist in diesem Prozess sehr wichtig gewesen. Das Sozialversicherungssystem ist komplex, da ist man froh um professionelle Unterstützung. Die Zusammenarbeit mit der IV hat sehr gut geklappt. Es hat sicher geholfen, dass wir mit der Schulungsverantwortung eine konkrete Möglichkeit für eine neue Arbeit für Frau L. gehabt haben. –– Wir sind sehr froh, dass wir Frau L. im Betrieb behalten konnten. Auf Ihre Erfahrung und ihre Motivation könnten wir kaum verzichten. Wir haben sogar eine Mit-Kader-Person gewonnen. Ich empfehle allen Arbeitgebern, externe Unterstützung für Eingliederungsprozesse anzunehmen – es lohnt sich! // September 2013
Weiterleiten