Keller Recycling AG

Abfallentsorgung und Recycling
Zürich
Praxisbeispiel Kelller

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Arbeitgeber)

Zur Anstellung von Herrn B. kam es aufgrund eines Anrufs von Involvis Arbeitsintegration. Sie sagten, sie haben jemanden, der viel Kraft und Energie besitzt und diese gerne bei uns einsetzen würde. Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine Chance zu geben, ist schon bei meinem Vater wichtig gewesen und deshalb historisch gewachsen. So kommen bei uns auf 30 Mitarbeitende insgesamt inzwischen 8 Personen mit Beeinträchtigungen, davon 6 mit psychischen. Wir sind der Auffassung, dass sich unsere Branche gut zur beruflichen Wiedereingliederung eignet. Bei Herrn B. war es so, dass ihn einer unserer Mitarbeiter schon aus einer früheren Zusammenarbeit kannte. Er wusste, Herr B. ist ein lässiger und auch ein schwieriger Mitarbeiter, aber hier bei uns könnte das funktionieren.

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Arbeitnehmer)

Ich bekomme eine halbe IV-Rente wegen meines Asperger Syndroms. Durch einen Job Coach, den meine Eltern mit ausgesucht haben, konnte ich bei der Keller Recycling AG beginnen. Vorher war ich schon 12 Monate ohne Arbeit. Auch einige Absagen haben mir zu schaffen gemacht. Ich will arbeiten und habe schon etliche Arbeitgeber gehabt. Durch meinen Vater war ich 3-4 Jahre immer wieder temporär als Messebauer beschäftigt und habe Stände auf- und abgebaut. Als das nicht mehr ging, war ich temporär im Gartenbau, beim Kieswerk und auch früher schon mit Kehrichttransporten beschäftigt. Jetzt bin ich motiviert, weil hier exakte Arbeit in Verbindung mit viel Kraft gefragt ist. Da ich immer sehr gut aufpasse, dass ich nichts ungewollt beschädige, ist mein Chef zufrieden. Und die Kollegen auch. 

Praxisbeispiel Kelller

Nach der telefonischen Kontaktaufnahme des Job Coachs von Involvis habe ich spontan angeboten, dass Herr B. für einen Schnuppertag vorbeikommen kann. Aus dem Tag wurde eine Schnupperwoche, damit wir uns besser kennen lernen können. Letztlich wollten beide Seiten, Herr B. und ich, eine weitere Zusammenarbeit. Wir haben in Absprache mit der IV-Stelle der SVA Zürich deshalb die Schnupperzeit in einen Arbeitsversuch umgewandelt. Der dauerte 3 Monate, es folgte eine 3-monatige Einarbeitung. Nach 6 Monaten hat Herr B. einen normalen Arbeitsvertrag erhalten. Besonders ist, dass er in einem Zeitpensum von 80% nur zu 50% leistungsfähig ist, also produktiv. Wir haben einige Gespräche mit ihm geführt, bis er das nachvollziehen konnte. So ist er aber leistungsgerecht bezahlt, optimal im ersten Arbeitsmarkt integriert und braucht nicht mehr wie früher bei den Temporärstellen um seinen Arbeitsplatz zu fürchten. Eine halbe IV-Rente bezieht er weiterhin.

Ich habe als Arbeitgeber die Unterstützung der Familie von Herrn B. als sehr wertvoll und hilfreich empfunden. Die Offenheit seiner Mutter war enorm wichtig, besonders in der Situationsklärung mit dem Job Coach betreffend 80% Präsenzzeit bei 50% Lohn für die erbrachte Leistung. So konnte Herr B. letztlich erkennen, welche Vorteile es für ihn hat, in diesem Modell zu arbeiten und damit eine dauerhafte Lösung zu haben. Der Job Coach stand Herrn B. alle zwei Wochen für einen Tag zur Verfügung. Das wurde von der IV-Stelle finanziert und war auf 30 Treffen begrenzt. In finanzieller Hinsicht hat uns die IV-Stelle den Einarbeitungszuschuss zugesprochen, so dass wir in den ersten drei Monaten nach dem Arbeitsversuch zu Beginn der Anstellung noch nicht den ganzen Lohn zu zahlen hatten. Und für den Arbeitsversuch zuvor ist die IV ganz aufgekommen und wir hatten kein Risiko. Für Herrn B. war es wichtig, die halbe IV-Rente und den selbst verdienten Lohn zu bekommen. Das hat ihn sicher auch motiviert.

Erfahrungen und Empfehlungen des neuen Arbeitgebers

Die grössten Herausforderungen aus meiner Sicht sind im Umgang mit psychisch Beeinträchtigten der eigene Führungsstil und das Erkennen der persönlichen Bedürfnisse des Mitarbeitenden. In der Zusammenarbeit mit dem Team und noch stärker im Kontakt mit Kunden müssen gewisse Verhalten einfach funktionieren. Ich habe gelernt, dass der Zeitaufwand einem bewusst sein muss und man nur aus Überzeugung Mitarbeitende mit Beeinträchtigung einstellen sollte. Gerade bei Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ist die Früherkennung von Problemen wesentlich: Ein Problem muss sofort angegangen und gelöst werden, damit die Person nicht arbeitsunfähig wird.

Als Arbeitgeber höre ich im Austausch mit anderen oft: «Das ist ja toll, was Ihr macht! Das versuchen wir auch mal.» Dazu gehört eine gut durchdachte Entscheidung. Der direkte Vorgesetzte muss zu 100% dahinterstehen, geduldig sein und die persönlichen Eigenschaften des Vorgesetzten müssen zum Krankheitsbild passen.

Persönliche Erfahrung (Arbeitnehmer)

Am schwierigsten sind für mich Tage, an denen alle auf mich zukommen, ob ich irgendwo helfen kann. Das überfordert mich, weil ich am liebsten klare Strukturen habe und weiss, was ich in welcher Reihenfolge erledigen kann. Ich weiss inzwischen, dass die anderen Mitarbeiter nicht mein Chef sind, aber ich kann nicht «nein» sagen. Deswegen geniesse ich die Tage, an denen die anderen unterwegs sind. Ich habe schon besser gelernt, mit Leuten umzugehen und bin auch etwas geduldiger geworden. Sicherheit gibt es mir, wenn ich aufräumen und Ordnung machen darf. Besonders gerne fahre ich Fahrzeuge auf dem Werkhof. Die Kollegen sagen, ich bin Meister im Parken von Fahrzeugen auf engsten Raum. Was ich auch sehr gut kann und gerne mache, sind Räumungen von Häusern und Wohnungen. Hier wird exaktes Arbeit und viel Kraft geschätzt. Am Anfang hatte ich Angst, die Wände oder Türrahmen zu beschädigen, aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich das richtig gut kann, weil ich sehr gut aufpasse.