Swisscom AG

Telekommunikation
Gesamte Schweiz
Praxisbeispiel Swisscom

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Sicht Arbeitgeber)

Am 25.07.2012 wurde ich als Case Managerin von Swisscom über den schweren Unfall von Herrn F. informiert. Herr F. hat sich den Lendenwirbel gebrochen, die weiteren Folgen waren zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt.

Ich habe zuerst Kontakt mit dem Vorgesetzten von Herrn F. aufgenommen, um mich über die aktuelle Situation zu informieren und mit ihm weitere Schritte zu klären. Es wurde schnell klar, dass wir Herrn F. wenn irgend möglich, wieder in seiner Funktion als Trainer weiter beschäftigen, also nach seiner Genesung wieder in den Arbeitsalltag eingliedern möchten.  Auch mit Herrn F. habe ich Kontakt aufgenommen und ihm die Unterstützung von Swisscom angeboten und mit ihm die die aktuelle Situation und das mögliche weitere Vorgehen besprochen.

Als Case Managerin ist es meine Aufgabe, alle involvierten Stellen zu informieren und die Massnahmen zu steuern und zu koordinieren. In diesen Fall wurden diese Stellen - IV, behandelnde Ärzte und Therapeuten, das SUVA Case Management etc. über die Unterstützungsangebote von Swisscom und unsere Möglichkeiten orientiert. Der gegenseitige Austausch zwischen Arbeitgeberin und den weiteren involvierten Stellen ist für eine erfolgreiche Wiedereingliederung von ausschlaggebender Bedeutung, um gemeinsam über Massnahmen zu entscheiden und den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu planen und zu organisieren.

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Sicht Arbeitnehmer)

Vor meinem Unfall am 25.7.2012 war ich zuletzt als Trainer bei Swisscom tätig.

Nach meinem Unfall wurde ich zunächst im Inselspital Bern behandelt und wurde nach zwei Wochen ins Paraplegikerzentrum nach Nottwil (LU) verlegt. Aufgrund meiner Verletzung musste ich zwei Monate im Rollstuhl sitzen. Im Paraplegikerzentrum unterzog ich mich zahlreichen Therapien, die darauf ausgerichtet waren, meine Beweglichkeit wiederherzustellen, sprich wieder Laufen zu lernen.

Ganz sicher hat mir meine überaus optimistische Einstellung bei der Genesung geholfen, die so weit ging, dass die Ärzte bezweifelten, ob ich den Ernst der Lage erkenne. Nach etwa 4.5 Monaten konnte meine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben geplant werden. Die Planung begann mit einem Gespräch zwischen meinem Vorgesetzten, einem Betreuer des Paraplegikerzentrums und mir.

Wir besprachen, welche Tätigkeit ich aufgrund meiner körperlichen Beeinträchtigung ausüben könnte und wie diese Tätigkeit organisiert sein müsste, ob die Möglichkeit besteht, Home-Office zu machen und wie die Tage zu planen seien, um sowohl meine Tätigkeit ausüben zu können als auch meine Therapietermine wahrzunehmen. Ein wichtiges Element war die Besichtigung meines Arbeitsplatzes, um allfällige Anpassungen, zum Beispiel ein Stehpult, einen speziellen Stuhl, die Verschiebung des Arbeitsplatzes usw.  zu planen. Da der Betreuer aus Notwill Rollstuhlfahrer war, konnte er gleich testen, wo mögliche Hindernisse sein könnten.

Natürlich hatte ich zeitweise vor und während meiner Wiedereingliederung Bedenken wegen meines Wiedereinstiegs. Einerseits beschäftigte mich, was im "worst case" passieren würde, wenn ich dauerhaft im Rollstuhl sitzen müsste und vielleicht meinen Job nicht mehr ausüben könnte, andererseits machte mir Sorgen, ob und wie ich meine Tätigkeit bei einem täglichen Pensum von 8 Stunden sitzend und stehend überhaupt bewältigen könnte. Glücklicherweise sind keine meiner Befürchtungen eingetroffen und ich bin heute wieder voll arbeits-, einsatz- und leistungsfähig.

Dank der regelmässigen und guten Kontakte zu meinem Vorgesetzten und meinen Teamkollegen war ich immer auf dem neusten Stand, sei es auf strategisch oder technischer Ebene und hatte daher nie das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Ausserdem hatte ich die Möglichkeit von zu Hause aus auf die Swisscom Systeme zuzugreifen und konnte mich über aktuelle Aktivitäten innerhalb und ausserhalb meiner Abteilung informieren. Dies hat meinen Wiedereinstieg erleichtert, weil ich nicht das Gefühl hatte, lange von meiner Tätigkeit und der Firma fern geblieben zu sein.

Praxisbeispiel Swisscom

Dank seiner ausgesprochen hohen Motivation konnte Herr F. seine Arbeit bereits nach nur 4.5 Monate zunächst in einem 20% Pensum wieder aufnehmen. Er steigerte sein Pensum zunächst in 20%-Schritten bis er wieder ein 60%-Pensum leistete, danach in 10%-Schritten, bis er wieder sein ursprüngliches 100% Pensum ausfüllte. Wichtig war während der Wiedereingliederung, dass Herr F. neben der Berufstätigkeit genügend Zeit für die Rekonvaleszenz und seine Therapien zur Verfügung stand. Da Herr F. die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens (Home-Office, Arbeiten an anderen Standorten) nutzte, konnte er die unterschiedlichen Bedürfnisse gut integrieren.

Als Herr F. wieder in den Arbeitsprozess einstieg, übernahm er zunächst Aufgaben in Projekten und bereitete Schulungsunterlagen auf, beziehungsweise Schulungen vor. So konnte Herr F. von Anfang an seiner gewohnten Tätigkeit nachgehen, ohne dass er täglich im Schulungsraum stehen musste oder ohne dass grössere Anpassungen vorgenommen werden mussten.  Dank eines Quäntchen Glück im Unglück beim Unfall, der hohen Motivation von Herrn F. und der hervorragenden Zusammenarbeit aller involvierten Stellen, konnte Herr F. vergleichsweise einfach und nachhaltig in den Arbeitsprozess wieder eingegliedert werden.

Da die Beeinträchtigung von Herrn F. zum Glück nicht so gravierend war, musste seitens IV keine Unterstützung geleistet werden.

Das Case Management der Swisscom und der SUVA, die IV-Stelle, die Ärzte, Therapeuten und Betreuer des Paraplegikerzentrums Nottwil sowie der Vorgesetzte und die Mitarbeitenden bei Swisscom waren involviert. Aufgrund der Schwere des Unfalls wurde auch seitens SUVA sofort ein Case Manager eingeschaltet, der sich intensiv mit der Situation auseinandersetzte. Er war mit  der Arbeitgeberin im ständigen Austausch, beispielsweise bezüglich Jobprofil oder Rückkehrmöglichkeiten. Das Case Management der SUVA unterstütze Herrn F. zusätzlich und leitete die notwendigen Massnahmen seitens des Versicherers ein. Massgebend in der Begleitung während der Behandlungsphase und für den Wiedereinstieg war aber auch der Betreuer des Paraplegikerzentrums Nottwil, der Herrn F. schon während des Aufenthaltes in Nottwil auf den Tag des Austritts vorbereitete und unterstützte.

Der Fall von Herrn F. ist für uns ein Musterbeispiel. Er hat gezeigt, dass Aufbau, Organisation und Prozesse des Case Management bei Swisscom gut etabliert sind und funktionieren. Eine wesentliche Rolle hat dabei gespielt, dass Herr F. hoch motiviert war, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen und dass der Vorgesetzte und das Team Herrn F. vorbildlich unterstützten. So war es möglich, die Rückkehr an den Arbeitsplatz trotz der tragischen Situation unkompliziert, erfolgreich und nachhaltig zu organisieren. Der Vorgesetzte und das Team hatten bereits Erfahrung in der Rückkehr von Mitarbeitenden, weil innert kurzer Zeit drei Teammitglieder von einer Langzeitabwesenheit betroffen waren. Diese spezielle Situation hat selbstverständlich die Kompetenz und das Verständnis der Mitarbeitenden gefördert. Zudem ist der gegenseitige Austausch zwischen Arbeitgeberin und den involvierten Stellen für eine erfolgreiche Rückkehr von ausschlaggebender Bedeutung. Die Rückkehr soll gemeinsam geplant werden.

Persönliche Erfahrungen von Herrn F.

Am Anfang waren die körperlichen Beschwerden die grösste Herausforderung. Man sah mir meine schwere Verletzung nicht mehr an und dies führte zu Missverständnissen. Zum Beispiel durfte ich zu Therapiezwecken um meine Beweglichkeit zu fördern schon früh, noch während meiner Teilarbeitsunfähigkeit, wieder Biken und Skifahren. Ich stellte Fotos von diesen Aktivitäten auf soziale Medien und meine Teamkollegen sahen diese. Mir war das nicht bewusst, aber es führte zu Fragen und kleineren Unstimmigkeiten im Team und musste geklärt werden. Joggen durfte ich nicht – es hat fast 3 Jahre gebraucht bis ich über 30 Min. am Stück rennen konnte. Natürlich hatte ich zeitweise vor und während meiner Rückkehr Bedenken. Einerseits beschäftigte mich, was im schlimmsten Fall passieren würde, wenn ich dauerhaft im Rollstuhl sitzen müsste und vielleicht meinen Job nicht mehr ausüben könnte. Andererseits machte es mir Sorgen, ob und wie ich meine Tätigkeit bei einem täglichen Pensum von 8 Stunden sitzend und stehend überhaupt bewältigen könnte. Glücklicherweise sind keine meiner Befürchtungen eingetroffen und ich bin heute wieder voll arbeits-, einsatz- und leistungsfähig.

Sehr positiv habe ich die Unterstützung erlebt, die ich von Seiten SPZ Nottwil, Suva und Swisscom erfahren durfte. Die war hervorragend. Mein Vorgesetzter und mein Team haben mich sehr unterstützt. Dank der regelmässigen und guten Kontakte zu meinem Vorgesetzten und meinen Teamkollegen war ich immer auf dem neusten Stand, sei es auf strategischer oder technischer Ebene und hatte nie das Gefühl ausgeschlossen zu sein. Ausserdem hatte ich die Möglichkeit von zu Hause aus auf die Swisscom Systeme zuzugreifen und konnte mich über aktuelle Aktivitäten innerhalb und ausserhalb meiner Abteilung informieren. Dies hat meine Rückkehr erleichtert, weil ich nicht das Gefühl hatte, lange von meiner Tätigkeit und der Firma fern geblieben zu sein.