UBS

Banking & Finance
Zürich

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Arbeitgeber)

Als Recruiter für befristete Stellen wurde ich angefragt, ob wir Herrn L. im Rahmen eines IV-Programms für Autisten die Möglichkeit eines Praktikums bieten könnten. Leider verfügten wir zu diesem Zeitpunkt über keine offene Stelle im richtigen Bereich. Dies hinderte uns jedoch nicht, die Gespräche fortzuführen und nach einer Lösung zu suchen. Wir waren überzeugt, dass Herr L. eine wertvolle Unterstützung für UBS wäre und so wurde schlussendlich eine neue Stelle für ihn geschaffen.

UBS ist ein komplexes, globales Unternehmen, es gab gewisse Bedenken hinsichtlich Herr L.’s Transition von einer Lehre im geschützten Rahmen in die Geschäftswelt. Dank einer engen Kontaktperson konnte Hr. L zuerst in diesem Team Fuss fassen, bevor er nach ein paar Wochen mit Unterstützung seines Vorgesetzten in ein anderes Team wechseln konnte.

Wie ist es zur Eingliederung gekommen? (Arbeitnehmer)

Ich absolvierte die Lehre als Informatiker im Bereich Entwicklung bei Rafisa, einem Ausbildungsbetrieb, welcher junge Menschen mit Autismus unterstützt. Nach der Lehre war mir klar, dass ich die nächsten Schritte im Arbeitsleben planen möchte und ich wurde von der IV in Bern diesbezüglich beraten.

Nach einer Bewerbung bei der UBS bekam ich die Zusage für die 80%-Stelle im Group Technology Team, befristet auf 6 Monate, mit Möglichkeit zur Verlängerung. Schnell wurde ich in andere Projekte miteinbezogen und konnte mich auch im Bereich Programmierung einbringen.

Für mich war wichtig, dass ich einen engen Kontakt mit meinem Vorgesetzten hatte, welcher sich auch regelmässig mit meiner Autismus-Coachin austauschte. Auch von Seiten des HR der UBS unterstützte mich die Sozialberatung.

Herrn L. trat eine sechsmonatige, befristete Anstellung (80%) mit Möglichkeit zur Verlängerung an. Es galt die übliche Probezeit. Aufgrund der sehr guten Arbeit von Herrn L. wurde dieser Vertrag zwei Mal verlängert und hat schliesslich zu einer Festanstellung im Teilzeitpensum geführt, mit an die jeweiligen Bedürfnisse von Hr. L. angepassten Stellenprozenten.

Herr L. wurde von seiner Coachin von Proviva unterstützt und auch wir arbeiteten sehr eng mit ihr, insbesondere während der ersten Monate. Es fanden diverse Gespräche bezüglich Rahmenbedingen für Herrn L. mit dem Vorgesetzten und den Teammitgliedern statt. Das Team wurde auf Autismus sensibilisiert und es war wichtig hervorzuheben, dass sich niemand verstellen muss, damit Herr L. sich im Team wohlfühlt. Damit Herr L. die Möglichkeit hat, sich bei der Arbeit zu fokussieren und zusätzliche Hintergrundgeräusche entfernt werden können, arbeitet er oft in einer unserer Fokus-Boxen.

Persönliche Erfahrung (Arbeitgeber)

In unserem Rekrutierungsprozess sind wir darauf fokussiert, dass alle Bewerberinnen und Bewerber die gleichen Möglichkeiten resp. Chancen für eine Anstellung erhalten. Eine neue Stelle zu erschaffen, damit wir jemanden anstellen können, ist im Normalfall nicht möglich. Da zu diesem Zeitpunkt aber keine passende Stelle verfügbar war und wir davon überzeugt waren, dass Herr L. unser Team sehr gut ergänzen würde, sind wir diesen Extraschritt gegangen, was sich gelohnt hat: Es ist sehr schön zu sehen, wie sich Herr L. im Zuge seiner Karriere bei UBS weiterentwickelt hat und nun auf eigenen Beinen steht.

Diversität, Fairness und Inklusion ist eine Priorität von UBS und wir werden uns künftig noch mehr auf Neuro-Diversität fokussieren und auch unsere Mitarbeitenden weiter über das Thema informieren. So können wir den Weg für mehr Talente wie Herrn L. ebnen.

Persönliche Erfahrung (Arbeitnehmer)

Die grösste Herausforderung waren meine Erwartungen an mich selbst. Oft kam ich an meine Grenzen und habe diese nicht beachtet. In einer grossen Unternehmung kommen viele verschiedene Aufgaben auf einen zu. Oft ändern sich die Prioritäten in kurzer Zeit, was anfangs schwierig für mich war. Meine Teamkolleginnen und -kollegen haben mich jedoch sehr gut am Arbeitsplatz eingearbeitet und unterstützt. Wichtig ist für mich, dass meine Arbeitgeberin mich verschiedene Schritte ausprobieren lässt und mich auch dabei unterstützt, wenn ein Schritt mal nicht der richtige war.

Autismus kann sehr verschieden ausgeprägt sein und so sehe ich auch bei neurotypischen Menschen verschiedene Eigenschaften oder Situationen, mit denen sie ringen. Nur eben weniger stark als beispielsweise von Autismus Betroffene. Das zu sehen hilft mir und ich setzte mich weniger unter Druck.